Frage zu VWL (Import/Export)

vega

Well-Known Member
Nabend zusammen!
Wer von euch hat folgende Grafik schon mal gesehen und könnte mir dazu mal ein, zwei Fragen beantworten?

 
Es geht im Speziellen um das Verhalten Pw (Preis Weltmarkt) zu Pt (Preis mit Steuern/Zoll).
1. Warum der Preis im importierenden Land nach Steuern/Zoll steigt, kann ich mir ja noch erklären, aber warum fällt er im exportierenden Land (Pw zu Pt*)?
2. Wer trägt denn letztendlich die Steuern, die letztendlich der Staat bekommt (der komplette Umfang von t) ? Ausschließlich der Konsument?
 
Ich kenne dieses Graphensystem relativ gut aus der Energiewirtschaft, allerdings ist es dort etwas einfacher, weil die Stromnachfrage in beiden Ländern inelastisch angenommen wird (einfach eine Gerade von oben nach unten).
Hast du XS (die implizite Angebotsfunktion von Land 2) und MD (die impizite Nachfragefunktion von Land 1) verstanden? Also was sie bedeuten und wie man sie bestimmt? Dadurch ergeben sich deine Fragen mehr oder weniger.
1. Der Zoll stellt ein Handelshindernis dar. Im Fall ohne Handelsbegrenzungen wird so lange getauscht, bis sich in beiden Ländern der gleiche Preis eingestellt hat. Im Fall von Zöllen wird der Handel schon vorher unattraktiv, weil die Preise dadurch verzerrt werden. Wie sich das auf die inländischen Preise auswirkt, hängt von XS und MD ab.
2. Die Kosten (eigentlich Wohlfahrtsverluste) teilen sich auf, im vorliegenden Beispiel anscheinend ca. 50/50. Entscheidend ist das Dreieck in der Mitte zwischen 1, 2 und 3, das den Deadweight Loss darstellt.
 

vega

Well-Known Member
Ich kenne dieses Graphensystem relativ gut aus der Energiewirtschaft, allerdings ist es dort etwas einfacher, weil die Stromnachfrage in beiden Ländern inelastisch angenommen wird (einfach eine Gerade von oben nach unten).
Hast du XS (die implizite Angebotsfunktion von Land 2) und MD (die impizite Nachfragefunktion von Land 1) verstanden? Also was sie bedeuten und wie man sie bestimmt? Dadurch ergeben sich deine Fragen mehr oder weniger.
1. Der Zoll stellt ein Handelshindernis dar. Im Fall ohne Handelsbegrenzungen wird so lange getauscht, bis sich in beiden Ländern der gleiche Preis eingestellt hat. Im Fall von Zöllen wird der Handel schon vorher unattraktiv, weil die Preise dadurch verzerrt werden. Wie sich das auf die inländischen Preise auswirkt, hängt von XS und MD ab.
2. Die Kosten (eigentlich Wohlfahrtsverluste) teilen sich auf, im vorliegenden Beispiel anscheinend ca. 50/50. Entscheidend ist das Dreieck in der Mitte zwischen 1, 2 und 3, das den Deadweight Loss darstellt.
Ja, grundsätzlich habe ich diese Supply/Demand-Geschichte verstanden, denke ich. Wobei ich diese Grafik/Thematik gestern auch zum ersten Mal gesehen habe.
Es geht um meine Freundin, die demnächst eine Klausur über dieses Thema schreibt.
 
Zu meinem besseren Verständnis versuche ich mal meine laienhafte Interpretation der Grafik zu erläutern.
 
Ich sag mal der Home Market ist Deutschland und der Foreign Market ist die USA.
 
Deutschland hat eine höhere Nachfrage an Cheeseburgern als dass es diese mit dem eigenen Angebot decken könnte. Somit beschließt Deutschland zu importieren.
 
Die USA hat ein hohes Angebot an Cheeseburgern, jedoch nicht die entsprechende Nachfrage, als dass es die Ware loswerden könnte. Somit beschließt die USA zu exportieren.
So weit so richtig?
 
So…
 
Und nun kommen wir zu den Zöllen. Der Weltmarktpreis für einen Cheeseburger liegt bei 1 € (Pw). Deutschland erhebt nun 20c Zoll auf einen Cheeseburger. Der Preis für einen Cheeseburger liegt somit nun auf dem Home Market bei 1,20 € (Pt).
 
Aber warum liegt der Preis in den USA dadurch nun bei 80c (Pt*)? Das sieht ja so aus, als würde die USA ihren Preis senken, damit sie mit Zoll wieder den Weltmarktpreis erreicht?!
Wenn dem so wäre: Warum sagt die USA nicht einfach: „Wir verkaufen unsere Cheeseburger weiterhin fürn Euro. Wenn die durch den Zoll bei euch teurer werden, ist das nicht unser Problem“?
 
So…
 
Und nun kommen wir zu den Zöllen. Der Weltmarktpreis für einen Cheeseburger liegt bei 1 € (Pw). Deutschland erhebt nun 20c Zoll auf einen Cheeseburger. Der Preis für einen Cheeseburger liegt somit nun auf dem Home Market bei 1,20 € (Pt).
 
Aber warum liegt der Preis in den USA dadurch nun bei 80c (Pt*)? Das sieht ja so aus, als würde die USA ihren Preis senken, damit sie mit Zoll wieder den Weltmarktpreis erreicht?!
Wenn dem so wäre: Warum sagt die USA nicht einfach: „Wir verkaufen unsere Cheeseburger weiterhin fürn Euro. Wenn die durch den Zoll bei euch teurer werden, ist das nicht unser Problem“?
 
Bis zum "So..." stimmt alles. Deine Überlegungen zum Weltmarktpreis hingegen passen nicht.
Deutschland erhebt einen Zoll. Zum Preis von 1,20 wollen weniger Deutsche einen Cheeseburger kaufen als für 1,00 Euro, d.h. die Nachfrage sinkt. Das sehen die amerikanischen Anbieter - sie würden nach Abzug des Zolls weiterhin 1,00 erhalten, aber nun gibt es mehr Anbieter als Nachfrager (deutsche Nachfrage sinkt, amerikanisches Angebot bleibt gleich). Also befinden sich Preise und Mengen nicht im Gleichgewicht und es muss sich etwas ändern.
In der Folge muss das amerikanische Angebot sinken, oder die deutsche Nachfrage wieder steigen. In dem Beispiel passiert beides: Für den Preis von bspw. 1,10 in Deutschland bzw. 90 Cent in Amerika sind Angebot und Nachfrage wieder identisch -> das ist das neue Gleichgewicht. Die Differenz der Preise entspricht dem Zoll (immer!). Wie sich die "Kosten" des Zolls verteilen, hängt von den konkreten Funktionen ab: wenn die Deutschen preis-sensitiver sind, liegt das neue GGW vielleicht bei 1,05 - 0,85. Sind die Amis partout nicht bereit, für weniger zu verkaufen, liegt es vielleicht tatsächlich bei 1,20 - 1,00. Dann werden entsprechend weniger Cheeseburger gehandelt. All diese Informationen stecken aber bereits in den Kurven XS und MD.
 

vega

Well-Known Member
Das hast du wirklich prima erklärt. Dankeschön.
 
Nochmal einfach zusammengefasst.
 
Im oben genannten Beispiel bezahlt Deutschland bzw. die deutsche Cheeseburger-Firma  komplett den Zoll.
Das heißt, die USA wird von den Zollgebühren direkt nicht tangiert, merkt diese jedoch indirekt über die zurückgehende Nachfrage.
 
Also geht die USA mit ihrem Preis pro Cheeseburger zurück. Im optimal ausbalancierten Fall wären das die Hälfte des Zolls – also 1,10 € für D, 0,90 € für USA.
Somit „teilen“ sich die beiden Länder praktisch den Zoll.
 
 
Dann hätte ich noch eine abschließende Frage:
Da die USA nur noch 0,90 € für den Cheeseburger verlangt: Gilt dieser Preis dann auch für deren Home Market? Also kostet der Cheeseburger in den USA für amerikanische Einkäufer nun auch nur noch 90c?
Oder gilt dieses Spielchen rein für den Export?
 
Genau, die Graphen oben legen ein Gleichgewicht von 1,10 - 0,90 nahe. Der inländische Preis muss dem auf dem Weltmarkt entsprechen. Amerikanische Konsumenten zahlen also auch 90 Cent.
Nachtrag: Ahja, noch kurz zum Wohlfahrtsverlust / Deadweight Loss - warum ist die Situation mit Zoll nun ökonomisch "schlechter"?
In Deutschland gibt es einen Konsumenten, dem ein Cheeseburger genau 1,05 Euro wert ist. Ohne Zoll kann er einen Cheeseburger für 1,00 Euro kaufen und freut sich, noch 5 Cent gegenüber seiner Zahlungsbereitschaft gespart zu haben (und er isst einen leckeren Cheeseburger... https://www.youtube.com/watch?v=qPKvQkcxl38). Ebenso gibt es in den USA vielleicht einen Anbieter, dem ein Cheeseburger genau 95 Cent wert ist. Er verkauft den Burger und freut sich über 5 Cent Mehrerlös.
Mit Zöllen sind nun beide schlechter gestellt. Der Deutsche bekommt für seine Zahlungsbereitschaft keinen Cheeseburger mehr und der Ami wird seinen nicht los. Beide sind unglücklicher als vorher. Das ist der Deadweight Loss.
 
Gerne. Ich hatte mal Ansätze eines Papers aufgeschrieben, das auf diesem Modell basieren sollte. Vielleich setze ich mich nochmal dran
 

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