Das Ende von "Game of Thrones"

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  • Umfrageteilnehmer
    12

Lancelot

Well-Known Member
Dieser Post von @Lenfer brachte mich darauf, hierzu einmal einen eigenen Thread und eine Umfrage zu erstellen, für diejenigen, die es auch gesehen haben. Was genau stört euch am Ende von "Game of Thrones"? Warum stört euch das Ende doch nicht oder warum findet ihr, dass gerade das Ende die Serie einzigartig macht? Was ist für euch positiv und was ist negativ am Ende der Serie und fällt die letzte Staffel für euch ab oder ist sie ein würdiger Abschluss der Serie?

Falls ihr die Bücher lest: Welche Änderungen erwartet ihr für den Abschluss im Vergleich zur Serie?
 

Lenfer

Well-Known Member
Die Bücher habe ich nicht gelesen und werde es wahrscheinlich auch nicht tun. Von daher habe ich da keinen Vergleich, wobei die Serie ja soweit ich weiß wohl etwas von der Vorlage abweicht und Martin außerdem auch noch gar nicht fertiggeschrieben hat.

Am Serien-Ende stören mich hauptsächlich zwei Punkte:

Die letzte Staffel kommt mir sehr gehetzt vor. Als wäre dem Produktionsteam die Kohle ausgegangen und sie mussten auf Teufel komm raus, ganz schnell irgendwie noch was zusammenstoppeln, um die Handlungsstränge zum Abschluß zu bringen. Keine Ahnung, ob das wirklich ein finanzielles Problem war, oder ob andere Gründe eine Rolle gespielt haben (z.B. die eben dann fehlende Martin-Vorlage oder terminliche Gründe), aber im Vergleich zu den frühen Staffeln, in denen sich die Macher viel Zeit für die Charakterentwicklung genommen haben (sehr löblich!), wirkt das Ende wie nur noch flott hingerotzt.

Der zweite Punkt hat mit dem ersten zu tun: Die Entwicklung von Daenerys ist für mich an den Haaren herbeigezogen und sehr unglaubwürdig. Als eine der Hauptfiguren (und dazu noch Sympathieträgerin) legt sie in gefühlt 20 Filmminuten einen Absturz von durchaus mitfühlend (oder zumindest bereit, unschuldiges Leben zu schonen) zu "Ich-brenn-Euch-alle-nieder-und-tanz-auf-der-Asche" hin. Hab mich beim Schauen richtig geärgert, weil sich das dermaßen "falsch" angefühlt hat. Der beschleunigte Handlungsablauf ist für so eine Entwicklung natürlich Gift! Das hätte man vielleicht (nur vielleicht!) über 2-3 komplette Staffeln aufbauen können.

Neben diesen beiden Punkten fand ich auch noch die Auflösung (gab's die überhaupt? kann mich tatsächlich kaum erinnern) bzgl "Weiße Wanderer" diskussionswürdig. Über alle Staffeln als ultimative Bedrohung und "das Böse" aufgebaut - und dann fast mit einem Fingerschnipsen weg.

PS: Nachdem ich das Obige zusammengeschrieben hatte, hab ich mal im Netz rumgesucht, weil ich mir schon dachte, daß es bestimmt einiges an Kritik zur 8. Staffel gibt. Offenbar haben das viele Leute so ähnlich empfunden wie ich, v.a. was die Geschwindigkeit angeht, mit der die Handlung abgespult wird (+ alle negativen Begleiterscheinungen, die das halt nun mal mit sich bringt). - Es gibt auch einige Erklärungen, die man wegen mir annähernd logisch finden kann, aber ich will mich da gar nicht zu sehr in Details verlieren. Für mich war es jedenfalls ein enttäuschender, unbefriedigender Abschluß der Serie, die vorher über Jahre die Qualität hervorragend hoch gehalten hatte.
 

Ramser Wildsau

Well-Known Member
Ich hab die Bücher 2004 angefangen zu lesen. Ich hab die Serie zu Beginn sehr gemocht. Aber das hat sich geändert und ich konnte in der 2. Staffel irgendwann nicht mehr.
Dumbed down and sexed up..... :worried:
 

Pfobbel

Well-Known Member
Also die Entwicklung von Daenerys war abzusehen, bedenke die Sklavenhalter. Und es wurde immer angedeutet, dass bei der Geburt eines Tagaryen eine Münze geworfen wird. Anspielungen gab es einige, auch in ihrem Verhalten. Also überrascht war ich nicht.

Dass die Handlung allerdings zu schnell durchgedrückt wurde, in Staffel 7 und 8, das stimmt allerdings.

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Lancelot

Well-Known Member
@Pfobbel
Tatsächlich habe ich GoT 8 Mal gesehen (englisch) und 6-7 Mal (englisch, deutsch, spanisch, französisch, portugiesisch, spanisch) gelesen und würde Dir daher zustimmen, zudem fallen mir auch noch andere Argumente ein. Sowohl was Daenerys angeht, als auch was die Verkürzung der Handlung angeht.

@Lenfer
Ich kann sogar das mit dem Night King verstehen und auch mit den White Walkers (entschuldigung, ich finde die deutsche Übersetzung grottig). Dennoch bin ich persönlich eher bei @Pfobbel. Letztendlich kann ich jedoch unterschiedliche Interpretationen akzeptieren und denke, dass sich "A Song of Ice and Fire" in einem Punkt grundlegend von "A Game of Thrones" unterscheidet.

Was sind für euch denn die männlichen und was sind für euch die weiblichen Helden ("pure" Charaktere), in "A Song of Ice and Fire" und "Game of Thrones")? Ich denke, gerade hier gibt es wirkliche Unterschiede - und dass, obwohl ich beide sehr gelungen finde! Was sind die Antagonisten? Welches Bild (vermeintlich) starker Männer und starker Frauen wird jeweils bejaht und welches wird negiert? Welche Charakter sind "middleground"? Jeweils auf die Geschlechter bezogen?
 
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Pattelinho

Well-Known Member
Ich bin da ziemlich klar bei @Lenfer
Für mich ist die Entwicklung von Daenerys (noch vor der Sinnlosigkeit des Night King) der größte „downer“ beim Ende von GoT. Ja… sie hatte immer mit den „inneren Dämonen“ (so nenne ich es mal) der Tagaryen zu kämpfen und sie hat auch teilweise ihre „Grausamkeit“ gezeigt. Allerdings war das imho nie in Situationen in denen sich keinerlei Rechtfertigung für ihre Handlungen hätte finde können und in den allermeisten Fällen hat sie gezeigt das sie sich deutlich von ihrer „Familientradition“ was das regieren angeht differenziert und differenzieren will.

In Staffel 8 gibt es dann nahezu überhaupt keinen innerlich erkennbaren Konflikt mehr bei ihr zu erkennen. Das ist inkonsequent und ihrer Person gegenüber nicht gerechtfertigt. Sie wurde am Ende als viiiel Diabolischer dargestellt als es in 6,5-7 Staffeln davor angedeutet worden war und das noch nahezu ohne sinnvoll erkennbaren Grund. In einigen Staffeln war sie sogar DER Lichtblick überhaupt und die größte Hoffnung auf ein gutes Ende. Diese Hoffnung wurde komplett beerdigt ohne auch nur einen Zweifel an ihrer Gesinnung zu lassen… damit fühl(t)e ich mich für dumm verkauft.

Aber ich merke schon… ich rege mich nur schon wieder auf #TeamDaenerysForever :smile:
 
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Pfobbel

Well-Known Member
Meine Lieblingscharaktere sind Kleinfinger und Varys. Ich liebe die Intrigen

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wueterich

Well-Known Member
Also ich finde Bran als König optimal, da er ja über sehende Fähigkeiten verfügt und genug Demut für einen König gezeigt hat

Daenerys Entwicklung war abzusehen, das sie ja durchgehend ziemlich harte Entscheidungen getroffen hat wo wenig Mitgefühl zu spüren war und sie musste sterben, damit für Bran der Platz des Herrschers frei war

Ich fand die Bedrohung durch den Nachtkönig auch gut weil so Daenerys nachvollziehbar das Bündnis eingegangen ist welches ja entscheidend war um die Lenesters vom Thron zu stoßen

Das Problem für mich war auch, dass die TV-Staffeln wegen der Zuschauerqouten vor den Büchern geschireben wurden und somit ab dem Zeitpunkt die Tiefe verloren ging und es deshalb irgendwie wie durchgehetzt erschien.

Martin hat ja ähnlich wie Tolkien eine komplette Welt mit deren Vergangenheit erfunden und hatte sehr viele verschiedene Handlungsstränge, die dann eben wegen fehlender Zeit nicht mehr wirklich ausgeschückt wurden wie es zu Beginn der Serie war.

Martin hätte darauf bestehen müssen mehr Zeit zu bekommen um erst die Bücher zu schreiben, ich bin überzeugt. der Hype wäre auch geblieben, wenn alle 18 Monate eine Staffel rausgekommen wäre, wenn es zischen jeder Staffel 1-3 Folgen zur besseren Erklärung der gesamten Welt mit Geschehnissen aus der Vergangenheit gegeben hätte, wären die Fans sicher auch dabei geblieben wenn nur alle 2 Jahre ne Staffel rausgekommen wäre.


Vielleicht wäre dann das Ende auch anders gewesen, irgendwie hätte es auch gepaßt wenn es kein Happy End gegeben hätte, sondern ein offenes Ende, wo der Nachtkönig noch Lebt, die Mauer aber intakt ist und es deshalb eine/n König/in des Nordens und eine/n König/in der 6 Lande gegeben hätte
 

Lancelot

Well-Known Member
Der entscheidende Unterschied zwischen "A Song of Ice and Fire" and "A Game of Thrones" liegt darin begründet, dass ersteres immer eine Geschichte für (junge) Männer war, eine Geschichte, die sich vorwiegend einem männlichen Publikum zuwendet und die ein männliches Ideal präsentiert, gleichzeitig aber viele Männer aufführt, die diesem Ideal nahe kommen, aber doch zumindest in einem wesentlichen Punkt scheitern.

"A Game of Thrones" erweitert dieses Geschichte um ein äquivalentes feminines Ideal und stellt diesem, stärker als die Bücher, ebenso analog weibliche, scheinbare Protagonisten entgegen, die dieses Ideal fast erreichen, aber dennoch an ihm scheitern.

Betrachten wir zumnächst die männlichen Protagonisten.

Fangen wir an mit Jaimie Lannister. Im Gegensatz zu seinem Vater, fehlt ihm eine gewisse Härte, eine gewisse Zielstrebigkeit. Andererseits zeigt auch dieser Charakter sehr positive Seiten, denn er ist der einzige, der seinen Bruder Tyrion während dessen Jugend und darüber hinaus beschützt. Jamie Lannister weiß prinzipiell, was richtig ist: Er beschützt Tyrion, wo es sonst keiner tut, er setzt sich für Brienne ein, als diese vergewaltigt wird, wo es sonst keiner tut, er tötet Aerys II Targaryen - nicht weil es sein Vater so möchte, sondern weil es richtig und notwendig ist und beschütze somit die gesamte Population von King's Landing. Er hat mehr Ehre und mehr Stärke, als ich dies vielen anderen Männern zubilligen würde. Dennoch hat Jaime Lannister zwei entscheidende Schwächen: 1) Er bemisst den Meinungen anderer Personen zu viel Bedeutung - wenn Du das richtige tust, ist es egal, was andere sagen, Du musst es trotzdem tun und 2) Er liebt Cersey Lannister zu sehr. Ein echter Mann lässt sich nicht von den Gefühlen zu einer Frau kompromittieren, sondern tut, was richtig ist. In diesen Punkten unterscheidet er sich von anderen männlichen Protagonisten.

Rob Stark scheint ein guter Mann zu sein, nicht? Obwohl recht jung und unerfahren, führt er die Army of the North zu entscheidenden Siegen über die Truppen der Lannisters und kommt seinem hehren Ziel, der Befreiung seiner Schwestern, Stück für Stück näher. Dennoch macht auch Rob Stark einen entscheidenden Fehler: Er gibt sein Wort, eine Tochter von House Frey zu heiraten, aber er bricht diesen Schwur. Ein Mann hält sein Wort oder er sollte schweigen. Wenn Du einer Frau Deine Liebe versprichst, aber dann eine andere heiratest, was für eine Art von Mann bist du dann?

("I swore a vow to the Night's Watch. If I don't take my own word seriously, what sort of Lord of Winterfell would I be?" - Jon Snow)

Tywin Lannister. Ein sehr maskuliner Mann? Er stellt das Wohl seiner Familie, die er klassisch patriarchalistich führt, über alles und erwartet dies auch von seinen Kindern und Geschwistern (und: auch von seinem Vater, den er stets verachtet). Tywin Lannister beherrscht das Spiel um den Thron wie nur wenige in den Seven Kingdoms und macht vieles richtig. In seinem ganzen Leben hat er nur einmal etwas für sich selbst getan, als er seine Cousine Joana Lannister heiratete. Dennoch macht auch er zwei Fehler und zwar prinzipiell dieselben wie sein Sohn: 1) Als Joana stirbt und ihm ein "Imp" als Sohn geboren wird, munkeln die anderen Adligen, dass Tywin dies aufgrund seiner Intrigen am Hof und der Auswahl seiner Frau verdient habe. Und insgeheim gibt er ihnen Recht, als er ernsthaft mit seinem Sohn zum Wasser geht und ihn ertränken will (was er dann aber doch nicht tut) 2) Seine Liebe zu Joana, auch wenn er diese weit weniger offen zeigt als Jamie seine Liebe zu Cersey, und deren Tod durch die Geburt von Tyrion, sowie seinen Hass auf seinen Vater beinträchtigen sein Urteilsvermögen, insbesondere in Bezug auf seinen durchaus talentierten Sohn Tyrion. Wie sein Sohn Jamie lässt er sich zu stark von seinen Gefühlen leiten und verliert den Blick auf das großen Ganze, was letztendlich in seinem Tod mündet.

Und Stannis Baratheon? Der "wahre" König der Seven Kingdoms, der ein Geburtsrecht auf den Thron hat und um sein Erbe betrogen werden soll? Der Storm's End trotz Belagerung, trotz Hunger hielt, der mit seinen Männern (und niemals größere Rationen als diese) Pferde und Hunde und Schlimmeres aß und trotzdem für seinen Bruder Robert in der Rebellion den Stammsitz der Familie hielt? Und dafür nie entlohnt wurde. Der Puritaner, der Gerechtigkeitsfanatiker, der an seine Bestimmung glaubt, auf dem Thron der Seven Kingdoms sitzen zu dürfen? Der für seine Bestimmung alles bereit ist zu opfern, sogar seine Tochter und der seinen eigenen Tod schulterzuckend und mit gewisser Ehre zur Kenntnis nimmt? Obwohl er - gerade unter männlichen Lesern und Zuschauern - große Sympathien genießt, ist er kein Ideal. Denn alles was Stannis tut, dient dem eigenen Machterwerb, der eigenen Sache. Varys, der Stannis von Anfang an kritisch gegenübersteht und dafür sogar einen kranken Sadisten wie Joffrey unterstützt, sagt: "I've served tyrants all my life. They all take about destiny." Letzten endes zeigt sich Stannis Charakter auch dadurch, wie er mit seinen Gegnern umgeht: Muss man Mance Rayder wirklich bei lebendigem Leib verbrennen oder kann man ihn nicht vielleicht auch anders töten? Muss man dasselbe seiner eigenen Tochter antun? Muss man seinen Neffen Opfern, um König zu werden? Ideologie und Verblendung leiten Stannis bis es zu spät ist - erst in dem Moment, wo er den Boltons vor Winterfell gegenübersteht und die Häflte seiner noch Verbliebenen fliehen, erkennt er die Realität. Zumindest hat er so viel Ehre, dennoch sein Schwert zu ziehen und es endet, wie es enden muss.

Ned Stark wird oft als einer der ehrenhaftesten Männer in ganz Westeros beschrieben. Und dies ist auch richtig. Dennoch ist dies nicht genug. Trotzdem überwiegen bei ihm die positiven Eigenschaften: Er erlaubt, obwohl er skeptisch ist, seiner Tocher Arya den bewaffneten Kampf zu üben und engagiert ihr sogar einen persönlichen Trainer. Er erkennt die wahre Natur der Beziehung zwischen Rhaegar und Lyanna und beschützt den Sohn seiner Schwester, obwohl ihm seine eigene Frau dies nie vergeben wird. Als einziges House in Westeros honouriert House Stark die Bemühungen der Night's Watch und betrachtet diese mit ehrlichem Respekt. Er bemüht sich um ehrlichen Respekt und Anstand und kommt den männlichen Ideal sehr nahe. Dennoch erreicht er es nicht. Durch seine Vorurteile gegenüber Jamie Lannister übersieht er dessen positiven Seiten, er übersieht dessen großen Anstand und dessen stark ausgeprägtes Ehrgefühl und kurz vor seinem Tod verrät er seine eigene Sache: Joffrey ist weniger der rechtmäßige Herrscher über die Seven Kingdoms als Stannis. Und genau das hätte Ned offen sagen müssen. No matter the cost, no matter the price.
 
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Lancelot

Well-Known Member
Letztendlich ist die Geschichte von "A Song of Ice and Fire" immer die Geschichte von Jon Snow gewesen. Wir sehen das gleich in der ersten Szene, wo er prominent auftritt. Die Stark-Kinder finden 5 Wölfe und er, um seinen "Vater" zu überzeugen, diese nicht zu töten, verzichtet auf einen eigenen Wolf, da er kein Stark ist. Letztendlich zeigt sich bereits hier die Charakteristik des klassischen männlichen Helden, der auf sein eigenes Wohlbefinden verzichtet, um andere zu schützen. Und so geht es weiter. Er schließt sich freiwillig (!) der Night's Watch an, obwohl ihn sein "Vater" dazu nicht zwingen will, sondern ihn davor sogar bewahren will (ganz im Gegensatz zu Ned's emotionaler und eifersüchtiger Ehefrau). Er weigert sich, Qhorin Halfhand, einen der ehrenhaftesten Männer der Night's Watch zu töten, bis dieser ihm keine Wahl lässt. Er verlässt Ygritte, das Wildling-Girl, das er liebt, weil es notwendig ist. Er tut dies nicht für sich, sondern für die Menschen von Westeros. Er bezahlt einen hohen Preis und die Frau, die er liebt, stirbt in seinen Armen. Weil er sich nicht von seinen Gefühlen blenden lässt, das große Ganze im Auge behält und das tut, was notwendig ist. Nicht für sich, für andere. Auch wenn es ihn selbst schmerzt. Er führt die verbliebenen Wildlings hinter den Wall, obwohl ihn dies zu einem Feind eines Großteils seiner eigenen Männer macht. Und diese töten ihn daraufhin und nur durch einen "magischen Kniff" kehrt er zurück nach Westeros. Hier zeigen sich bereits überdeutlich die Charakteristika eines positiven maskulinen Ideals: Für seine eigenen Ideale muss man auch bereit sein zu sterben und ebenso den Tod aller derjenigen, die man liebt, im Notfall in Kauf zu nehmen. Ansonsten sind es vielleicht nicht die richtigen Ideale. Zuvor hatte ihm Stannis Baratheon angeboten, ihm den Namen Jon Stark zu geben: "The first thing I ever remember wanted [...] All my life, I wanted to be Jon Stark...". Er lehnt ab: "... but I swore a sacred vow at the Godswood. I pledged my life to the Night's Watch" ... und daraufhin wird er von seinen eigenen Männer getötet. Jon Snow wird wiedergeboren, wird "King of the North" und führt Verhandlungen mit Daenerys Tagaryen, um seinen "Norden" und alle Menschen in Westeros zu schützen. Weil es notwendig ist. Es gelingt ihn sogar, Daenerys von seiner Sache zu überzeugen und sie verlieben sich ineinander.

Letzten Endes muss jedoch Jon erkennen, dass er sich in Daenerys getäuscht hat, als sie King's Landing niederbrennt und diktatorisch regiert. Jon tut das nicht gerne, denn er liebt Daenerys, stärker noch als Ygrette zuvor und sie ist seine "Queen". Er tötet sie, obwohl ein Teil von ihm es als falsch empfindet, mit Widerwillen, weil es notwendig ist. Ein Held ist jemand, der mit nichts beginnt und am Ende mit nichts endet, oder, schlimmer noch, am Ende stirbt. Jon Snow beginnt als Ausgestoßener und er endet als Ausgestoßener. Es sind seine Taten und ihre Auswirkungen auf andere, die ihn zu einem Helden machen. Er hat davon nichts. Einmal sorgt sein Verhalten für den Tod einer Frau, die er liebt, einmal tötet er sie selbst, zudem auf eine wenig ehrenvolle Art und Weise. Dennoch war es notwendig, und viele andere Leben konnte er dadurch retten.

Jon zeigt Parallelen zu allen anderen vorher genannten männlichen Charakteren. Und dann düpiert er sie. Jaime Lannister tötet - wie Jon Snow - den Regenten, dem er ewige Treue geschworen hat. Aber er kann seine Liebe zu der Frau, die er liebt, nicht aufgeben. Und sie sterben gemeinsam. Jon kann dies. Nicht gerne, nicht für sich selbst. Für andere und schweren Herzens und mit Gewissensbissens. Weil es richtig ist.

Im Gegensatz zu seinem Cousin, Rob Stark, entscheidet sich Jon gegen seine persönliche Liebe, zweimal. Weil es notwendig ist und obwohl es weh tut.

Im Gegensatz zu Tywin Lannister kann er denjenigen Mitgliedern seiner Familie vergeben, zu denen er ein schwieriges Verhältnis hat und unterscheiden, was wahr und was falsch ist. Tywin will das Verhältnis zwischen Cersey und Jamie nicht sehen und er will nicht sehen, dass Tyrion seine beste Wette auf ein Fortbestehen seines Hauses ist. Jon dagegen sieht die wahre Natur von Daenerys und im Unterschied dazu die reinere Natur seiner "anderen" Familie, insbesondere Arya, mit Abstrichen auch Sansa. Und er stellt das Gemeinwohl über das seiner eigenen Familie (er ist der legitime Erbe des Houses Targaryen - dies macht ihn übrigens zu dem Gegenbeispiel eines weiteren männlichen Charakters, nämlich Joffrey Baratheon: One ist a bastard, raised as a prince. The other one is a prince, raised as a bastard.)

Der Unterschied zu Stannis ist leicht erklärt. Stannis will König sein, tut alles dafür. Jon will genau das nicht und tut prinzipiell alles dagegen. Er hat überhaupt keine Ambition mehr zu führen, allerspätestens, seitdem er erkennt, dass Führung bedeutet, für seinen Entscheidungen letztendlich auch mit seinem Leben zu zahlen und/oder andere töten zu müssen. Dennoch tut er es immer wieder. Für Sansa, für den Norden, für Arya, für alle guten und gerechten Menschen in Westeros. "We all enjoy what we are good at." (Daenerys) - "No, I don't." (Jon)

Im Gegensatz zu seinem "zweiten Vater", Ned Stark, begegnet Jon anderen mit weniger stark ausgeprägten Vorurteilen. Er begegnet Jamie Lannister aufgeschlossener, ebenso Tyrion, mit dem ihm schließlich eine Freundschaft verbinden wird. Er führt die Wildings südlich des Walls, obwohl Ned Stark diese immer als die eigentlichen Feinde des Nordens ausgemacht hatte. Er erkennt die Gefahr durch die White Walkers. Niemals verrät er seine eigene Sache und er erkennt, dass manchmal auch unehrenhafte Methoden notwendig sind, um schlimmeres abzuwenden.

Jon Snow repräsentiert das Ideal der Perfektion positiver Maskulinität. In dem Moment, als er Daenerys tötet, ist dies sein "Stauffenberg-Moment". Die Legende von Azor Ahai besagt, dass dieser ein Schwert fertigen muss, "Lightbringer". Zunächst tunkt er es in Wasser (Nightking), um es abzukühlen, doch das Schwert zerbricht. Dann tunkt er es in das Herz eines Löwen (Cersey), doch das Schwert zerbricht. Zuletzt stößt er das Schwerz in das Herz der Frau die er liebt, Nissa Nissa (Daenerys), und das Schwert hält. Jon Snow ist Azor Ahai und "A Song of Ice and Fire" ist seine Geschichte. Das Ideal positiver Maskulinität für (junge) Männer.

Man muss dazu sagen, Jon ist auch "the Prince who was promised" (and not: "the King who was promised"). Analog zu "Lord of the Rings" ist Jon Frodo, Daenerys ist Gollum und der eine Ring ist "the Iron Throne".
 
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Lancelot

Well-Known Member
Dennoch dürfen wir auch einen anderen Charakter nicht außer acht lassen, der dieselbe positive Maskulinität verkörpert wie Snow Snow - seinen Vater, Rhaegar Targaryen. Einen Mann, der seine Jugend in erster Linie mit Bildung und den schönen Künsten verbrachte ("Rhaegar never liked killing. He loved singing."). Nachdem er jedoch die Geschichten von Azor Ahai und "The Prince who was promised" liest, hat er zunächst den Verdacht, dass er dieser Prinz sei, ehe er erkennt, dass eines seiner Kinder der Prinz sein wird.

Er trainiert den Kampf, ohne dass es ihm gefällt - wie später Jon erkennt er, dass dies notwendig ist. Zudem erkennt er auch, dass Elia Martell ihm keinen Sohn mehr gebären kann. Und obwohl er möglicherweise bereits mit Tywin Lannister eine Übereinkunft getroffen haben mag, seinen inkompetenten und völlig verrückten Vater bei Turnier von Harrenhall abzusetzen, erfährt sein Schicksal eine entscheidende Wendung.

Denn sein Vater beauftragt ihn, den "Knight of the Laughing Tree" zu finden, der einen anderen Ritter vor dem Mobbing weiterer Ritter geschützt hatte und den Aerys II in seinem Wahn als seinen Feind ausgemacht hatte. Die offizielle Version ist, dass Rhaegar den Knight nicht finden konnte und lediglich seinem Vater den Schild präsentierte.

Die inoffizielle Version ist, dass es sich bei dem Ritter um Lyanna Stark handelte, die sich als Mann verkleidete und dass Rhaegar erkannte, dass sie die Frau sein sollte, die ihm den Azor Ahai, den "Prince who was promised" gebären würde. Dies erklärt auch sein Verhalten, nachdem er das Turnier von Harrenhal gewann: "Until he rode right past his wife, Elia Martell, and he laid a crown of winter roses in Lyanna's lap."

Rhaegar entscheidet sich hier bewusst, obwohl er bereits eine andere Frau geheiratet hat, für eine andere Frau - die bereits vergeben ist. Dennoch ist seine Entscheidung richtiger als die von Rob Stark, denn er handelt hier nicht nur für sich selbst: Er weiß, dass Lyanna den Retter der Menschen von Westeros gebären wird und dass diese Entscheidung notwendig ist. Sie ist sein weibliches Ebenbild und beide haben den Mut, sich gegen die gesellschaftlichen Konventionen zu stellen - nicht nur für sich, sondern in erster Linie für die Zukunft aller Menschen in Westeros. Und beide wissen, dass es ihr Ende bedeuten kann und wird.

"When your brother Rhaegar led his army into the battle of the Trident, men died for him, because they believed in him, because they loved him!"

Alles was Rhaegar wollte war, dass sein Sohn sicher war. Er musste sich Robert am Trident stellen, um Lyanna Zeit zu verschaffen. Und um Robert, der sicherlich ein besserer Kämpfer war, was auch Rhaegar gewusst haben dürfte, so zu schwächen, dass Ned Stark zuerst am Tower of Joy sein würde. Auch deswegen lässt er seine besten Männer der King's Guard, Gerold Hightower und seinen Freund, Arthur Dayn, "the Sword of the Morning" am "Tower of Joy" zurück. Sie sollen sicherstellen, dass Ned derjenige ist, der Lyanna und seinen Sohn finden wird.

"I looked for you on the Trident." (Ned Stark)
"Well, we weren't there." (Arthur Dayn)
"Your friend the Usurpor would be lying on the ground, if we had been." (Gerold Hightower, Commander of the Kingsguard)
"The mad King is dead. Rhaegary lies beneath the ground. Why weren't you there to protect your Prince?" (Ned)
"Our Prince wanted us here" (Arhur Dayn)

Und weiter:"Where is my sister?" (Ned)
"I wish you good fortune in the wars to come" (Arthur Dayn; dieses Zitat zeigt: Er weißt, er wird, soll, und muss sterben und Ned muss, soll und wird überleben)
Und weiter: "And now it begins" (noch immer: Arthur Dayn)
"No, now it ends" (Ned, der nicht weiß, was ihn im Tower of Joy erwartet und was in den Jahren später folgen soll)

Diese Szene ist entscheidend, denn sie verdeutlicht, dass Rhaegar, Lyanna, Arthur und Gerold von Anfang an bereit waren, ihr Leben für das von Jon zu geben. Der einzige, der sich ein bisschen komisch verhält ist Ned, aber er weiß ja noch nicht, was ihn erwarten wird.

Diese Selbsthingabe für ein größeres Ganzes, die nicht nur Rhaegar, Lyanna (!), Arthur und Gerold, sondern auch später Jon Snow auszeichnet, steht nicht nur im Gegensatz zum Verhalten der vorher genannten Charaktere (vielleicht ist Ned Stark hier im Vergleich zu den anderen genannten in gewisser Weise eine positivere Ausnahme, denn auch er opfert viel für Jon, ohne dass große Ganze zu erkennen und ohne seine Vorurteile gegenüber anderen wie Jamie und den Wildlings ablegen zu können - dabei ist Jamie ein deutlich besserer Mann als Robert beispielsweise), sondern ebenfalls zu zwei Charakteren, die eine toxische Maskulinität an den Tag legen, nämlich Robert Baratheon und Petyr Baelish.

Beide zeigen 100% konträres Verhalten zu Rhaegar und Jon, in dem Sinne, das sie nicht nur nicht bereit sind, sich selbst (und die Frau, die sie lieben,) für das große Ganze zu opfern, wenn es notwendig sein sollte, sondern dass sie die entsprechende Frau besitzen wollen, obwohl diese ihre Liebe nicht erwidert. Selbst nach deren Tod können sie nicht von ihr loslassen (Baelish versucht es dann bei Sansa, die ihn an Cat erinnert, Robert nennt Cersey "Lyanna").

Somit zeigt "A Song of Ice and Fire" nicht nur Ideale für eine positive Maskulinität und Gegensätze für eine toxische Maskulinität, sondern auch Repräsentanten für Männer, die nur in wenigen Punkten scheitern (Jaime Lannister, Tywin Lannister, Ned Stark, Rob Stark) und zudem den Prototypen eines klassischen Faschisten und Tyrannen (Stannis Baratheon; die diesem zufliegenden Sympathien sind erschreckend - zugleich zeigt er auch, dass es nur ein schmaler Schritt von einem begründeten Anspruch und einem hehren Motiv zur Dunkelheit ist).


"A Game of Thrones" schließlich schafft es, entsprechend auch feminine Äquivalente für die jeweiligen Charaktere zu finden. Wir sehen hier ebenfalls klassische Tyranninen, Narzistinnen und Faschistinnen, die erstaunlich viel Zuspruch erhalten, Frauen, die nur knapp an einem positiven, femininen Ideal scheitern und Äquivalente zu Rhaegar (Lyanna, dürfte kein Geheimnis mehr sein) und Jon. Der Serie gelingt es, analog zu den männlichen Charakteren, ebenso positiven, starken Feminismus und toxischen Feminimus zu porträtieren. Sie gibt somit auch "jungen" Frauen ein Ideal und viele mahnende Beispiele an die Hand. Ihr könnt euch ja mal selbst überlegen, wer welchem männlichen Äquivalent entspricht.

Von daher sind gerade die letzten beiden Staffeln nicht nur ein würdiger Abschluss der Serie, sondern ein Meisterwerk unser Zeit.


So, ist spät geworden und ihr müsst mir auch nicht zustimmen und könnt gerne widersprechen.


"Night gathers and now my watch begins ..."
 
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Shelter

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Es gibt jetzt übrigens bald (2022) ein offzielles Spin-off zu GoT, das die Vorgeschichte der Geschehnisse in Westeros beleuchtet. "House of the Dragon" spielt ca. 200 Jahre vor Game of Thrones und handelt insbesondere vom Fall des großen Königshauses Targaryen, die als Dynastie der Drachenreiter die sieben Königslande lange vor der Zeit um Jon Schnee, Tyrion Lannister und des Nachtkönigs beherrschten.

Offizieller Trailer:

Quelle: https://www.serienjunkies.de/news/house-dragon-teaser-trailer-spin-109487.html
 

Lancelot

Well-Known Member
Nicht das schlechteste Szenario, hätte mir allerdings eher ein Spin-Off über den Doom of Valyria gewünscht.

Valar morghulis was how they said it in Valyria of old. All men must die. And the Doom came and proved it true.[21]}
Oberyn Martell to Tyrion Lannister

 
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Ramser Wildsau

Well-Known Member
Ich hätte mir ein Spinoff in Ashai by the Shadow gewünscht, wo Ghostgrass wächst und das fahle Licht vom außerirdischen Gestein geschluckt wird. Da rennen nur Necromancer, Priester finsterer Gottheiten und Schwarzmagier rum. :smiley:
Und am allerliebsten würde ich was sehen wollen über die Freie Stadt Lorath, wo die haarigen Ibbenesen und Priester des blinden Gottes Boash durch die Labyrinthe schlappen.
Bei den 5 Festungen die die Pässe nach Yi Ti bewachen war auch noch eine dabei die ich sehr geheimnisvoll fand, aber ich weiß leider nicht mehr warum... :/
 
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Ramser Wildsau

Well-Known Member
^^

Achja, wo wird gerade dabei sind: "Legend of the Seeker"!
Hab ich gesehen, glaub sogar Staffel 2, ich kann mich aber an 0,0 erinnern. Ich glaube ein Schwert war seehehr wichtig und ... neee, das war's auch.
Hast du Hawk the Slayer gesehen? Das is ein Fantasy Epos! Nicht wie Herr der Ringe, wo dreimal 3 Stunden nur durch die Landschaft gelaufen wird!
 

Lancelot

Well-Known Member
Nee, leider nicht! Muss ich nachholen! Finde aber "The Lord of the Rings" nicht so schlecht, da es prinzipiell psychische Problematiken (Frodo, Saruman, Theoden, Faramir, Boromir, Aragon, Denethor) und deren (Nicht-)Überwindung ebenso thematisiert wie Loayalität, Freundschaft, Überwindung von Rassismus, der Übernahme von Verantwortung für andere und echte Hingabe (Legolas, Gimli, Elrond, Arwen, Eowyn, Boromir, Gandalf, Sam, Merry, Pippin, Faramir, Aragon, Eomer, Theoden, Galadriel, Haldir). Trotz der gefühlten 300 Seiten Landschaftsbeschreibung.
 

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