Südwest-Derby auf dem Betzenberg: FCK empfängt den Karlsruher SC
Für den 1. FC Kaiserslautern steht am kommenden Sonntag wohl das wichtigste von zwei entscheidenden Spielen im bisherigen Saisonverlauf auf dem Programm. Am 26. Spieltag empfangen die Roten Teufel im traditionsreichen Fritz-Walter-Stadion auf dem Lautrer-Betzenberg die Gäste des Karlsruher SC zum bereits 69. rheinland-pfälzisch-badischen Südwestderby. (Anstoß So, 13:30 Uhr)
Die aktuellen Tabellenplätze beider Teams – Lautern auf Rang sieben (37 Punkte), der KSC mit 34 Zählern auf Platz acht direkt dahinter – treten bei diesem Prestige-Duell fast in den Hintergrund. Vielmehr geht es um die historische Rivalität, die beide Klubs und ehemaligen Gründungsmitglieder der Fußball-Bundesliga, bereits seit den 1950er-Jahren verbindet und die über die vergangenen Jahre und Jahrzehnte schon unzählige emotionale sowie spannende Begegnungen in den direkten Aufeinandertreffen der beiden Vereine hervorgebracht hat, die geographisch betrachtet gerade einmal eineinhalb Autostunden trennen.
Noch gut in Erinnerung ist das Hinspiel am 9. Spieltag im Wildpark: In einer packenden und torreichen Partie konnten sich die Roten Teufel auswärts mit einem 3:2 (0:1) durchsetzen. Genau an dieses Ergebnis wollen die Männer in Rot nun anknüpfen, wenn sie am kommenden Sonntag vor heimischer Kulisse auf dem Betzenberg antreten. Denn in einem Derby zwischen dem 1. FCK und dem KSC gilt traditionell für beide Mannschaften: Verlieren verboten.
KSC mit stabiler Form - Nach der Krise zurück auf Kurs
Der Gast aus Karlsruhe reist als unangenehmer Gegner in die Fußballpfalz. Die Badener rangieren derzeit im Tabellenmittelfeld und konnten sich in den vergangenen Wochen wieder etwas stabilisieren, nachdem die Mannschaft unter ihrem langjährigen Cheftrainer Christian Eichner (43) gegen Ende der Hinrunde in einen deutlichen Abwärtsstrudel geraten war.
Beginnend mit dem 12. Spieltag Anfang November setzte es für die Eichner-Elf satte fünf Niederlagen in Folge sowie eine Punkteteilung (2:2) im Auswärtsspiel gegen den VfL Bochum am letzten Spieltag vor dem Jahreswechsel. Das Torverhältnis zum Ende der Hinrunde aus Sicht des KSC: 6:19. Auch wenn ein tabellarischer Absturz abgewendet werden konnte und man sich nach diesen fünf Wochen ohne Saisonsieg im Tableau überraschenderweise nur um einen Platz (von Rang acht auf neun) verschlechtert hatte, brannte der blau-weiße Weihnachtsbaum in der Fächerstadt verständlicherweise lichterloh.
Abseits der sportlichen Probleme sorgten in dieser Zeit auch personelle Veränderungen am Rhein für zusätzlichen Zündstoff. So wurde Eichners langjähriger Co-Trainer und ehemalige Bundesligaprofi Zlatan Bajramović (46) – der in seiner Profikarriere unter anderem für den FC Schalke 04, Eintracht Frankfurt und den FC St. Pauli spielte – Anfang Dezember nach der 2:3-Auswärtsniederlage gegen den SV Darmstadt 98 überraschend von seinen bisherigen Aufgaben entbunden. Der gebürtige Hamburger mit bosnischen Wurzeln arbeitete fast sechs Jahre lang mit Eichner im KSC-Trainerteam zusammen und galt nicht nur als einer der engsten und vertrautesten Mitarbeiter, sondern auch als persönlicher Freund seines Cheftrainers.
Die Entlassung von Bajramović sorgte für scharfe Kritik. Dem langjährigen und verdienten Mitarbeiter soll die Trennung offenbar ausschließlich telefonisch mitgeteilt worden sein, ohne dass ihm der Verein über die üblichen „sportlichen Gründe“ hinaus eine genauere Begründung dafür nannte. Viele Fans begegneten der Entscheidung mit Skepsis und werten seine Personalie bis heute als Bauernopfer. Als neuer Assistent von Eichner auf der Trainerbank übernahm anschließend der frühere KSC-Profi Daniel Gordon (41), der zuvor die U23 der Karlsruher betreut hatte.
Auch die Profimannschaft sowie Eichner selbst reagierten auf die Entlassung ihres verdienten Co-Trainers durchwachsen. Nach dem Jahreswechsel setzte sich der Negativtrend zunächst fort: Die „Gelbfüßler“ – so der liebevolle Kosename für den Verein von der falschen Rheinseite – holten aus den darauffolgenden fünf Spielen der Rückrunde nur einen Sieg, dazu zwei Unentschieden und zwei Niederlagen. Ihren Tiefpunkt erreichte die Durststrecke am 22. Spieltag mit einem 1:5-Auswärtsdebakel beim 1. FC Nürnberg, durch das auch Eichner selbst zunehmend in den Fokus der Kritik geriet.
Der lang ersehnte „Back-on-Track“-Moment für den langjährigen Übungsleiter und sein Team kam schließlich im darauffolgenden Heimspiel gegen die Störche aus Kiel, das im Vorfeld zum „Endspiel“ stilisiert worden war und für den KSC-Coach bereits als Schicksalspartie galt. Seine Mannschaft lieferte jedoch die entscheidenden Argumente zugunsten ihres Trainers und setzte sich im heimischen Wildpark souverän mit 3:1 durch. Nach der Niederlage standen die Norddeutschen selbst nur noch einen Punkt vor dem Relegationsplatz. In der Folge trennten sie sich von ihrem langjährigen Trainer Marcel Rapp (46). An der Kieler Förde übernahm anschließend der frühere HSV-Coach Tim Walter (50) seine Nachfolge.
Eine Woche später sicherte sich der KSC mit einem 3:1-Erfolg bei den akut abstiegsbedrohten Magdeburgern den dritten Auswärtssieg der Saison. Am vergangenen Spieltag stellte die Mannschaft zudem gegen die formstarken Dresdner große Comeback-Qualitäten unter Beweis: Nach einem zwischenzeitlichen 1:3-Rückstand kämpfte sie sich noch zu einem 3:3-Unentschieden zurück und hatte in der Schlussphase sogar mehrere Möglichkeiten, die Partie noch in einen 4:3-Heimsieg zu drehen.
Taktische Ausgangslage / Statistikecke
Formation - In der Hinrunde setzte der KSC meist auf eine 4-2-3-1-Formation, gelegentlich auch auf ein 4-4-2, abhängig vom jeweiligen Gegner. In den letzten drei Spielen wurde das System jedoch zunehmend auf ein 3-5-2 umgestellt. Diese Umstellung dürfte die Lautrer vor dem direkten Duell am kommenden Sonntag aufmerksam machen, denn mit dieser Taktik sind die Badener bisher noch ungeschlagen.
Typische Merkmale:
- Drei Innenverteidiger sorgen für Stabilität und Spielaufbau. (Kobald, Franke, Ambrosius)
- Wingbacks agieren offensiv wie Flügelstürmer und defensiv wie Außenverteidiger (Herold, Jung)
- Drei zentrale Mittelfeldspieler: zwei defensiver Sechser, ein kreativer Spielmacher (Burnić, Kwon, Wanitzek)
- Zwei Stürmer: ein Zielspieler, ein dynamischer Angreifer für Räume und Konter. (Šimić, Ben Farhat)
- Spielweise: Kontrolle im Zentrum, schnelle Flügelangriffe über Wingbacks, bei Ballverlust schnelle Absicherung durch die Dreierkette.
Mit 40 erzielten Toren (Platz 6) bei nur 301 Torschüssen (Platz 15) beweist der KSC vor dem gegnerischen Tor eine beeindruckende Effizienz. Laut xG-Werten hätte die Eichner-Elf theoretisch acht Treffer weniger erzielen dürfen als es tatsächlich der Fall ist. Beim xGa-Wert von +1,9 hat man rechnerisch hingegen zwei Gegentreffer zuviel kassiert.
Offensiv liegt der KSC im oberen Drittel der Liga: Mit 263 Flanken aus dem Spiel (Platz 6), einer Passquote von 82,7 % (Platz 8) sowie sechs Pfosten- oder Lattentreffern (Platz 6) zeigt das Team seine Qualität im gegnerischen Drittel. Hinzu kommt, dass vier von fünf verwandelten Elfmetern auf eine starke Präsenz im Strafraum und eine gewisse Effektivität bei Standardsituationen hinweisen.
Verbesserungsbedarf besteht jedoch bei den physischen Werten: gewonnene Zweikämpfe (Platz 15 – 2.488), Sprints (Platz 15 – 3.411) und intensive Läufe (15.194 – Platz 16) liegen am unteren Tabellenende.
Auch defensiv zeigt sich die Mannschaft von Eichner extrem anfällig: Mit 47 Gegentoren rangiert die KSC-Abwehr hinter den Schießbuden aus Fürth (56) und Magdeburg (48) auf Rang drei im Gegentorranking. Unter den ersten zehn Teams der Tabelle hat augenblicklich nur Fortuna Düsseldorf ein schlechteres Torverhältnis (-10) als der KSC (-7) vorzuweisen.
Schlüsselspieler
Hans Christian Bernat (25, TW) - wichtiger Rückhalt im Karlsruher Tor, der besonders durch seine starken Reflexe und spektakulären Paraden hervorsticht. Fehlte zuletzt im Spiel gegen Dresden gelbgesperrt und wurde vom Ex-Lautrer Robin Himmelmann (37) vertreten. Der 1,92 m-großgewachsene Däne dürfte im Spiel gegen den 1. FCK aber mit Sicherheit wieder zwischen die KSC-Torpfosten rücken.
David Herold (23, LV) - schneller und technisch starker Linksverteidiger, der sich nach seiner Zeit in der Jugend des FC Bayern München mittlerweile als verlässliche Stammkraft auf der linken Abwehrseite bei den Badenern etabliert hat. Herold bringt vor allem Tempo, Dynamik und offensive Ideen ins Spiel über die linke Außenbahn und sorgt mit seinen Vorstößen und Flanken für zusätzliche Tiefe im Angriff. Aktuell bester Torvorbereiter auf Seiten des KSC: Sechs Torvorlagen.
Marvin Wanitzek (32, ZM) – das absolute Herzstück im Karlsruher Spiel. Der erfahrene Mittelfeldspieler steuert den Spielaufbau, verteilt die Bälle präzise auf Flügel und Stürmer und zieht die gegnerischen Abwehrreihen seziermessergleich durch intelligente Lauf-/Passwege auseinander. Der gebürtige Bruchsaler gilt als verlängerter Arm seines Cheftrainers, der Spielsituationen sehr gut liest und oft die richtigen Entscheidungen auf dem Feld trifft - auch in Drucksituationen oder bei Rückständen. Zudem ist er einer der wichtigsten und besten Standardschützen der Liga: In dieser Saison war er an 42,5 % aller erzielten KSC-Tore beteiligt – Bestwert in Liga 2.
Louey Ben Farhat (19, HS) - Eigengewächs des KSC und vielseitiger Angreifer, der sowohl als Mittelstürmer als auch als hängende Spitze eingesetzt werden kann. Er überzeugt durch Tempo, technische Fertigkeiten und Torgefahr. Nach einer längeren Verletzungspause wegen eines Mittelfußbruchs in der Hinrunde ist er nun zurück und zählt im KSC-Angriff zu den wichtigsten Hoffnungsträgern: Er schafft Räume, nutzt Chancen effektiv und bringt zusätzliche Dynamik in die Offensive. Fünf Torbeteiligungen in den letzten drei Spielen unterstreichen seine Leistung und haben den Linksfuß zuletzt auch als potenziellen WM-Kandidaten für die tunesische Nationalmannschaft ins Gespräch gebracht.
Personalsituation
Innenverteidiger Marcel Beifus (23) fehlt den Fächerstädtern längerfristig aufgrund eines Knorpelschadens. Für ihn rückte zuletzt Winterneuzugang Stephan Ambrosius (27) auf die äußere Position in der Dreierreihe. Ansonsten muss der KSC im Südwestderby voraussichtlich auf keinen weiteren Spieler verzichten.