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Durststrecke hält an: Die Adlerträger und das Warten auf den Sieg
Für den SC Preußen Münster bleibt die Situation in Liga zwei angespannt. 23 Punkte aus 22 Spielen bedeuten derzeit Rang 15 – punktgleich mit dem Tabellensechzehnten des 1. FC Magdeburg., der nur dank des minimal schlechteren Torverhältnisses (-1) einen Rang schlechter dasteht als die Westfalen. Der Abstand zu einem direkten Abstiegsplatz beträgt aus Sicht des SCP augenblicklich lediglich zwei Punkte – ein dünnes Polster, das insbesondere mit Blick auf die vergangenen Wochen u. Monate augenblicklich alles andere als beruhigend wirkt.
Bereits seit mehreren Wochen wartet die Mannschaft von Cheftrainer Alexander Ende (46) mittlerweile auf einen Sieg. Der bislang letzte Erfolg liegt bereits einige Zeit zurück: Am 14. Spieltag, genauer gesagt am 30. November letzten Jahres setzte sich der SCP in der Partie auf der Bielefelder-Alm mit 2:1 gegen Arminia Bielefeld durch. Seitdem blieben die Preußen ohne weiteren Dreier. Stattdessen stehen im Anschluss fünf Unentschieden und drei Niederlagen zu Buche. Zwischen dem 15. und 23. Spieltag stellt diese Ausbeute von fünf Zählern die schwächste der Liga da – mit einem Torverhältnis von 6:10 rangieren die Preußen in dieser Formtabelle sogar auf dem letzten Platz.
Auch der Re-Start ins neue Fußballjahr verlief für die Münsteraner alles andere als wunschgemäß. Zwei Niederlagen und drei Unentschieden bei einem Torverhältnis von 3:6 brachten die Mannschaft an der münsteranischen Aa nur unwesentlich voran. Am vergangenen Spieltag trennte man sich auswärts von den zuletzt unter F95-Trainer Markus Anfang (51) wiedererstarkten Fortunen aus Düsseldorf mit einem 0:0 – ein Achtungserfolg oder doch nur ein Beleg für den anhaltenden Status quo der Preußen, die mittlerweile seit über zweieinhalb Monaten auf ihren sechsten Saisonsieg warten?
Zahnlos im letzten Drittel: Münster kämpft um Effektivität
Doch woran krankt das Spiel der Preußen aktuell eigentlich? Ein Blick auf die Statistiken liefert nähere Aufschlüsse.
Die Ende-Elf zeigt sich in den Zweikämpfen derzeit besonders stark: Mit 2.527 gewonnenen Duellen ist das Team aktuell das zweikampfstärkste Team der gesamten 2. Liga. Auch in technischen und spielerischen Bereichen kann die Mannschaft überzeugen: Die Passquote liegt auf Platz 2 (85,8 %), der Ballbesitz auf Platz 5 (53 %) und die Laufdistanz ebenfalls auf Platz 5 (2.637 km).
Schwächen offenbaren sich hingegen in den physisch-intensiven Bereichen und vor allem in der Offensive. Bei Sprints rangiert das Team nur auf Platz 17 (2.936), bei intensiven Läufen auf Platz 13 (13.998). Noch deutlicher zeigen sich die Defizite im Angriffsspiel: Sowohl bei den Torschüssen (Platz 16 – 262) als auch bei den erzielten Toren (Platz 16 – 25) bewegt sich die Mannschaft klar im unteren Drittel der Liga.
Mit anderen Worten: Der SCP erzielt schlicht zu wenige Tore. 25 Treffer nach 22 Spieltagen reichen nicht aus, um sich in der Tabelle nach oben zu orientieren oder die Abstiegsränge deutlich hinter sich zu lassen. Nur Fortuna Düsseldorf (20 Tore) und Eintracht Braunschweig (ebenfalls 25 Tore) liegen auf ähnlichem Niveau. Im Vergleich dazu zeigen andere Teams, wie auch der kommende Gegner aus Kaiserslautern mit 36 Treffern, deutlich mehr Effektivität vor dem gegnerischen Tor.
Defensiv zeigt sich Münster dagegen solide: Mit 32 Gegentoren bewegt man sich auf Wettbewerbsniveau und liegt im direkten Vergleich mit den Lautrern nur knapp einen Gegentreffer schlechter. Problematisch bleibt aber der deutliche Unterschied in der Torausbeute: Gegenwärtig elf Treffer weniger als die Pfälzer verdeutlichen die augenblickliche Offensivschwäche und Harmlosigkeit der Münsteraner im letzten Spielfelddrittel.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die derzeitige Torflaute des SCP nur eine vorübergehende Formschwäche ist. Angesichts der bereits mehr als zehn Wochen andauernden Sieglos-Serie erscheint dies jedoch eher unwahrscheinlich. Vielmehr drängt sich die Diskussion auf, ob die Adlerträger mit der aktuellen Kaderstruktur im Offensivbereich ausreichend aufgestellt sind, um in den verbleibenden zwölf Rückrunden-Spieltagen wieder mehr Treffer erzielen zu können.
SCP-Offensive im Umbruch – Ende sucht Lösungen
Der aktuell erfolgreichste Torschütze bei den Preußen ist mit jeweils fünf Saisontreffern Etienne Amenyido (27) gemeinsam mit Oliver Batista-Meier (25). Besonders die Rolle des Deutsch-Brasilianers und gebürtigen Lautrers, der einst auch für U17 der Pfälzer spielte, verdeutlicht die derzeitige Misere auf Seiten des kommenden FCK-Gastgebers. Über die Hinrunde musste Batista-Meier aufgrund zahlreicher Verletzungen und fehlender personeller Alternativen immer wieder als zweite, nominelle Sturmspitze aushelfen – obwohl er sich als klassischer Spielmacher oder Zehner hinter der vorderen Angriffsreihe deutlich wohler fühlt. Diese Rolle
gibt das von Ende praktizierte 4-4-2-Rautensystem auch eindeutig her bzw. ist sogar ganz entscheidend darauf zugeschnitten.
Auch heute noch haben die Preußen mit mehreren Ausfällen zu kämpfen – besonders schmerzhaft sind dabei die zeitgleichen Ausfälle mehrerer Offensivspieler: Der erfahrene Joshua Mees (29) aus dem offensiven Mittelfeld fehlt bereits seit mehreren Wochen mit Muskelproblemen, Mittelstürmer Oscar Vilhelmsson (22) fällt ebenfalls seit Anfang Dezember aufgrund von muskulären Problemen auf unbestimmte Zeit aus und Angreifer und "falsche Neun" Malik Batmaz (25), in der Aufstiegssaison 2023/2024 der Preußen mit 17 Toren und 3 Vorlagen noch der erfolgreichste Topscorer des SCP, erholt sich augenblicklich von seinem zweiten Kreuzbandriss innerhalb von anderthalb Jahren.
Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist der verletzungsbedingte Ausfall von Mannschaftskapitän Jorrit Hendrix (31) am kommenden Spieltag. Der erfahrene Leader und Dauerbrenner der Münsteraner, der bis auf eine Gelbsperre am 11. Spieltag noch kein Saisonspiel verpasste, zog sich im zurückliegenden Auswärtsspiel in Düsseldorf eine Kapselverletzung im Knie zu. Zwar droht dem zweikampfstarken Niederländer kein langfristiger Ausfall, doch im Spiel gegen die Elf von FCK-Coach Lieberknecht muss Hendrix aus Vorsichtsgründen auf seinen Einsatz verzichten, wie die Preußen mittlerweile auch auf ihrer Homepage offiziell bekanntgaben.
Aufgrund dieser teils langfristigen und unklaren personellen Fragezeichen griffen die Westfalen auf dem Wintertransfermarkt zu. Für die Angriffsabteilung wurde unter anderem der Ex-Kölner Imad Rondic (27) für ein halbes Jahr ausgeliehen. Außerdem holte man den japanischen Mittelstürmer Shin Yamada (25) vom schottischen Erstligisten Celtic Glasgow und zog Eigengewächs Marvin Schulz (21) aus der zweiten Mannschaft in den Profikader hoch. Auch ein Spieler der Roten Teufel gehörte zu den Winterneuzugängen: Mit Tobias Raschl (25) fand der SCP die gewünschte Verstärkung für das zentrale Mittelfeld.
Der vielseitige und technisch-starke Achter gehörte am Betzenberg unter Lieberknecht zuletzt nicht mehr zum regelmäßig eingesetzten Personal und trifft nun bei den Adlerträgern mit Innenverteidiger Jannis Heuer (26) auf einen ehemaligen Weggefährten auf der Fußballpfalz, wo Raschl seit seinem Wechsel zur Saison 2023/2024 insgesamt 55 Pflichtspiele (3 Tore / 5 Vorlagen) für den 1. FCK bestreiten durfte. Im Gegensatz zum fest verpflichteten Raschl (ca. 200k Ablöse) ist Heuer zunächst nur aus K‘Lautern geliehen, konnte sich bei den Westfalen allerdings schnell zum Stammspieler etablieren (19 von 21 möglichen Einsätzen) und eine tragende Rolle im Abwehrverbund Münsteraner einnehmen.
Angriffslust trifft auf Umsetzungsprobleme - Noch...
Taktisch vertraut Chefcoach Ende, der in der abgelaufenen Saison noch den Drittligisten SC Verl betreute, auf ein 4-4-2-Rautensystem. Nach einem guten Start mit nur einer Niederlage aus vier Spielen hat sich sein Punkteschnitt inzwischen auf einen runden Wert von 1,0 PPS eingependelt. Dem 46-jährigen Fußballlehrer aus Grevenbroich attestieren seine Berufskollegen stets eine mutige, moderne und progressive Spielweise. Schon bei seiner vorherigen Station im rund 20 Kilometer östlich von Bielefeld gelegenen Verl (1,56 PPS) erarbeitete er sich Ende den Ruf eines energiegeladenen, offensiv ausgerichteten Trainers mit einer intelligenten und zukunftsorientierten Spielidee.
Dass seine neue Mannschaft Endes Konzept bislang noch nicht konsequent umsetzt, bleibt das dominierende Thema. Dass der neue spielerische Ansatz im Offensivbereich unter dem neuen Coach zu „bieder“ sei, lässt sich jedoch statistisch nicht belegen: In der 3. Liga stellte Ende mit dem SC am Ende der letzten Saison mit 62 erzielten Treffern die viertbeste Offensive der Liga.
Vor dem kommenden Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern dürfte daher in Münster erneut der Leitsatz „Den Bock umstoßen“ die Kabinentaktik bestimmen – wie auch schon in den Wochen zuvor.
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