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Später Schock auf Schalke: Lautern verschenkt Auswärtssieg
Nach dem letztlich ernüchternden 2:2 im Auswärtsspiel beim FC Schalke 04 herrschte beim 1. FC Kaiserslautern zunächst herbe Enttäuschung. Nach zwei Treffern des eingewechselten Ivan Prtajin (61./84.) hatten die Pfälzer die Partie bis zur 87. Minute scheinbar sicher im Griff, ehe sie in der Schlussphase doch noch den späten Ausgleich hinnehmen mussten. Die Königsblauen schlugen durch zwei Tore von Edel-Joker Edin Džeko (87.) und S04-Kapitän Kenan Karaman (90.) spät zurück und stellten die Partie damit auf den Kopf – ein Spielverlauf, wie ihn die Lautrer von manchem Heimspiel auf dem Betzenberg nur allzu gut kennen. Entsprechend groß war der Frust bei den Roten Teufeln und auch unter den rund 6.500 mitgereisten Fans aus der Barbarossastadt. Es wäre erst der dritte Auswärtssieg der Saison für die Mannschaft von FCK-Trainer Torsten Lieberknecht gewesen.
Gleichermaßen deutlich fiel auch die Ansprache des pfälzischen Chefcoaches unmittelbar nach dem Abpfiff im Mittelkreis aus, als er seine Spieler noch einmal energisch zusammenstauchte. Gleichzeitig richtete Lieberknecht den Blick aber bereits wieder nach vorne und stellte im Anschluss vor laufenden TV-Kameras klar: „Wenn einer jetzt meint, eine Woche lang den Kopf in den Sand zu stecken und nur Trübsal zu blasen, dann hat er ein ganz großes Problem mit mir.“ Ungeachtet des verpassten Sieges zeigte sich der aktuelle Übungsleiter der Lautrer insgesamt allerdings sehr stolz und zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft, die beim Spiel "auf Schalke" – selbst aus neutraler Sicht – ihr bislang bestes Auswärtsspiel der Saison ablieferte und den Spitzenreiter lange Zeit selbst am Rande der erst zweiten Heimniederlage in der laufenden Spielzeit hatte.
Keine Zeit zum Durchatmen - Das nächste Topspiel wartet
Viel Zeit um mit sich oder dem Ergebnis des letzten Wochenendes zu hadern, bleibt den Pfälzern ohnehin nicht. Bereits am kommenden Samstagabend im Topspiel gegen den Landesnachbarn der SV Elversberg bietet sich für die Betzebuwe die Chance zur Wiedergutmachung. Im heimischen Wohnzimmer des Fritz-Walter-Stadions, wollen sich "wütende" Lautrer die verlorenen zwei-Punkte gegen ein weiteres Spitzenteam der 2. Liga wiederholen (Anstoß: 20:30 Uhr).
Auch die „Elven“ aus dem Saarland reisen mit einer Punkteteilung im Gepäck in die Fußballpfalz. Am vergangenen Sonntagnachmittag trennte man sich in der heimischen "Ursapharm-Arena" an der Kaiserlinde gegen den VfL Bochum mit einem 1:1 (0:1). Nach der Führung der Gäste durch Mittelfeldspieler Mats Pannewig (24.) gelang dem Team von SVE-Trainer Vincent Wagner (39) kurz nach Wiederanpfiff durch Flügelspieler Lukas Petkov der hoch verdiente Ausgleichstreffer (53.). Der reine Blick auf das Ergebnis spiegelt den Spielverlauf jedoch nur unzureichend wider: Mit über 20 Torschüssen und einem xG-Wert von 1,76 (Bochum: 0,46) hätten die Saarländer die Partie durchaus auch zu ihren Gunsten entscheiden können. Bereits in der ersten Halbzeit scheiterten u.a. Lukas Poręba (34.) und Bambassé Conté (43.) am Aluminium bzw. am Querbalken des Bochumer-Gehäuses.
Tabellarisch empfängt am Samstagabend der Tabellensechste aus Kaiserslautern (31 Punkte) den Tabellenvierten aus Elversberg (35 Punkte). Mit einem weiteren Heimsieg in der Festung Betzenberg (sieben Siege, ein Remis, zwei Niederlagen; 24:12 Tore) könnten die Roten Teufel im Tableau bis auf einen Punkt an die Saarländer heranrücken. Nachdem das letzte Topspiel zur Samstagabend-Primetime gegen Hertha BSC am 12. Spieltag unglücklich mit 0:1 verloren ging, wäre das Duell gegen den Landesnachbarn nun die perfekte Gelegenheit, den zahlreichen FCK-Fans endlich wieder einen Heimsieg zur besten Sendezeit zu bescheren - zuletzt gelang den Lautrern dies beim 1:0 gegen Schalke 04 am 2. Spieltag.
Allerdings wird am kommenden Wochenende mit der SVE ein Gegner auf dem Platz stehen, der höchste Aufmerksamkeit erfordert und der die Lautrer über die vergangenen Jahre immer wieder erfolgreich ärgerte.
Denn entgegen aller Unkenrufe, die vor der laufenden Spielzeit der SV Elversberg einen tabellarischen Absturz oder gar einen Abstieg in die 3. Liga prognostizierten, lassen sich die Saarländer auch in dieser Saison weder vom Aderlass an wichtigen Leistungsträgern aus dem vergangenen Sommer noch vom durchgeführten Wechsel auf der Trainerbank – weg vom langjährigen Erfolgscoach u. Aufstiegstrainer Horst Steffen (56), hin zum noch relativ unbeschriebenen Blatt von Vincent Wagner (39) – aus dem Konzept bringen. Die SVE geht ihren eingeschlagenen Weg unbeirrt weiter und macht es der restlichen Ligakonkurrenz damit Woche für Woche schwer.
Mit einer aktuellen Bilanz von zehn Siegen, bei fünf Unentschieden und nur vier Niederlagen (Torverhältnis 34:19) darf man aus Sicht der SVE jedenfalls durchaus mit einer breiten Brust die kurze Anreise ins benachbarte Kaiserslautern antreten. Fünf Auswärtssiege, eine Punkteteilung und vier Niederlagen (Torverhältnis 18:13) sind auch in der Auswärtstabelle (Platz 4) durchaus respektabel.
Auch wenn der Start ins neue Fußballjahr für die Saarländer mit einer ärgerlichen 2:3-Niederlage in Nürnberg – nach einem verschossenen Elfmeter beim Stande von 2:2 in der 85. Minute und dem entscheidenden Gegentor in der 90.+3 – sowie einem 1:1 im nachfolgenden Heimspiel gegen den VfL Bochum nicht unbedingt nach Plan verlief, besteht im Saarland kein Grund zur Panik.
Mit viel Spielfreude, attraktivem Offensivfußball und hohem Tempo behauptet sich der kleine Aufsteiger seit mittlerweile drei Jahren schon in der 2. Liga und liegt augenblicklich lediglich vier Punkte hinter dem gegenwärtigen Tabellenführer des FC Schalke 04, der zuletzt allerdings ebenfalls nicht mehr die Stabilität und Souveränität der Hinrunde zeigte.
Es ist also weiterhin alles möglich: Bei noch insgesamt 45 zu vergebenden Punkten wird die Mannschaft von SVE-Trainer Wagner auch am kommenden Samstag auf dem Betzenberg alles daran setzen, etwas Zählbares mitzunehmen – genauso wie im Hinspiel, als man die Lautrer zu Hause mit einem 2:1-Sieg unmittelbar mit der letzten Szene des Spiels bezwingen konnte.
Tore satt? Offensive bei beiden Teams im Fokus
Ein Blick auf die Statistiken zeigt, dass bei den kommenden FCK-Gästen trotz zahlreicher Abgänge in der Sommerpause fußballerisch weitgehend alles beim Alten geblieben und man sich fußballerisch treu geblieben ist. Besonders stark zeigt sich die Mannschaft in der Offensive: Mit 298 abgegebenen Torschüssen liegt man ligaweit auf Rang drei, auch bei der Passquote (84,2 % - Platz drei), dem Ballbesitz (54 % - Platz vier) und den gewonnenen Zweikämpfen (2.049 - Platz fünf) zählt die Wagner-Elf zu den Spitzenteams aus Liga zwei.
Wo die Saarländer jedoch anfällig sind, sind hohe Bälle: Mit nur 284 gewonnenen Kopfballduellen belegt die Mannschaft in dieser Kategorie den letzten Rang der Liga. Das könnte ein Vorteil für den 1. FCK sein, der sich in dieser Statistik mit 443 gewonnenen Duellen aktuell auf Rang zwei niederlässt. Auch im Flankenspiel (238 - Platz zwei) haben die Lautrer deutliche Vorteile gegenüber den Elversbergern (184 - Platz neun). Bei den physischen Werten liegen beide Teams dagegen nahezu gleichauf.
Toreschießen können sowohl die Pfälzer wie auch die Saarländer - Durch das 2:2 auf Schalke und das 1:1 im Heimspiel gegen den VFL Bochum, haben sowohl der 1. FCK wie auch die SVE bislang starke 34 Saisontreffer erzielt - mit dem dritten im Bunde, dem SV Darmstadt 98 (2:0-Heimsieg gegen den 1. FC Nürnberg am 19. Spieltag) stellt man somit gegenwärtig den unangefochtenen Top-Wert der treffsichersten Angriffsreihen im Unterhaus da. Ist ein Tore-Spektakel am kommenden Samstagabend auf dem Betzenberg damit schon vorprogrammiert?
Kader und Transfers: Die Mannschaft als Schlüssel
Aus personeller Sicht gilt in Elversberg weiterhin: Der Star ist die Mannschaft. Mit einem überschaubaren Kaderwert von rund 26 Millionen Euro liegt man im Liga-Mittelfeld auf Rang zwölf, deutlich hinter Spitzenclubs wie Hertha BSC (62,33 Mio.), Hannover 96 (46,88 Mio.) und auch dem 1. FC Kaiserslautern (32,73 Mio.). SVE-Sportchef Nils-Ole Book (39) leistet hierbei beeindruckende Arbeit, indem er jungen Talenten im Saarland ein optimales Umfeld bietet, um sich bestmöglich weiterzuentwickeln und dabei wirtschaftlich keine unverhältnismäißg hohe Summen für vermeintliche "Stars" in die bestehende Kaderstruktur investiert - so wie es an anderen Fußball-Standorten der Republik seit Jahren gang und gäbe ist.
Echte Leistungsträger zu halten ist jedoch schwierig – finanziell lässt man sich diese allerdings mittlerweile gut bezahlen. So wechselte bspw. Hinrunden-Top-Torschütze Younes Ebnoutalib (22) im Winter für kolportierte 8 Millionen Euro zu Eintracht Frankfurt, nachdem er erst im vergangenen Sommer für 50.000 Euro vom FC Gießen aus der Hessenliga (vergleichbar mit der rheinland-/pfälzischen Oberliga) verpflichtet worden war. Ein wahrer Königstransfer, der den Saarländern spätestens jetzt auch über die Landesgrenzen hinaus viel Aufmerksamkeit und Interesse einbrachte.
Im Winter reagierte man gezielt auf den Abgang des 12-Tore-Manns der Hinrunde: Für eine Rekordablöse von 1,5 Millionen Euro schnappte man sich Stoßstürmer David Mokwa von der TSG 1899 Hoffenheim. Der 21-Jährige Franzose kennt Trainer Vincent Wagner bereits aus gemeinsamen Zeiten bei der Hoffenheimer U23, wo Mokwa in 63 Regionalliga-Spielen unter Wagner beeindruckende 26 Tore erzielte und sieben Assists beisteuerte. Ergänzt wird das Offensivpotenzial durch Rechtsaußen Raif Adam (20) vom Hamburger SV II, der im Laufe der Hinrunde für die kleinen Rothosen in der Regionalliga Nord in 21 Einsätzen sieben Tore erzielte und sechs weitere vorbereitete - seinen Zugang ließ man sich im Saarland offenbar eine Summe von ca. 400.000 Euro kosten.
Ballbesitz und Offensivpower - Die SVE im Systemcheck
Trainer Vincent Wagner bevorzugt in seiner taktischen Ausrichtung ein 4-2-3-1-System, das durch einen ballbesitzorientierten Spielstil geprägt ist und auf einen kreativen Offensivfußball setzt.
Für die Lautrer wird es am kommenden Samstagabend entscheidend sein, die Leistungsträger der Elversberger genau im Auge zu behalten. Besonders hervorzuheben sind dabei Torhüter Nikolas Kristof (26), der mit seinen sicheren und unaufgeregten Paraden eine tragende Rolle im Team spielt, sowie die zentrale Mittelfeldachse, die von Lukasz Poręba (25) und Bambassé Conté (22) geführt wird. Beide sind für das Spielverständnis und die Bindung zwischen Abwehr und Angriff verantwortlich.
Im Fokus der Lautrer Verteidigung sollten die Flügelspieler Tom Zimmerschied (27) und Lukas Petkov (25) stehen, der am vergangenen Sonntag als Torschütze zum 1:1 gegen den VFL Bochum erfolgreich war. In der Abwehr sorgen SVE-Mannschaftskapitän Lukas Pinckert (26) und Maximilian Rohr (30) für die notwendige Stabilität und Kompromisslosigkeit in der Zweikampfführung.
Aktuell fraglich ist lediglich Linksverteidiger Lasse Günther, der das letzte Spiel gegen Bochum kurzfristig aus unbekannten Gründen verpasste. Sollte er im Spiel gegen den 1. FCK weiterhin ausfallen bzw. nicht zur Verfügung stehen, könnte Nicholas Mickelson (26) einspringen - auch Rechtsverteidiger Felix Keidel (22) wäre eine mögliche Option für die Position des vakanten Linksverteidigers.
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