Eine Bilanz von 11 zu 1 Eckbällen, 22 zu 8 Torschüssen, ein Ballbesitz von 70% zu 30%, und zusätzlich dazu noch vier Mal Latte/Pfosten sowie ein Spiel in doppelter personeller Überzahl durch zwei gelb-/rote Platzverweise für die Gäste aus Sachsen-Anhalt – Endergebnis 2:2. Nein, vom berühmten Spielglück war der 1. FC Kaiserslautern im vergangenen Heimspiel gegen den 1. FC Magdeburg leider nicht gesegnet auch wenn sich der Traditionsverein aus der Pfalz nach dem Abpfiff absolut nicht den Vorwurf gefallen lassen musste, nicht alles für einen dreifachen Punktgewinn vor der heimischen Kulisse im Fritz-Walter-Stadion gegeben zu haben.
Ohne die zuletzt so überzeugenden Stammkräfte Jannis Heuer (Muskelfaserriss), Jean Zimmer (Rückenprobleme) und Marlon Ritter (Adduktorenprobleme) startete die Mannschaft von FCK-Cheftrainer Markus Anfang mit zwei Siegen gegen den SC Paderborn (3:0), Fortuna Düsseldorf (4:3) und einem Achtungserfolg gegen den Bundesligisten vom VFB Stuttgart aus der 2. Runde des DFB-Pokals (1:2) im Rücken in das Heimspiel gegen die Elbstädter, die selbst mit zwei Niederlagen in Folge gegen den Hamburger SV (1:3) und Hannover 96 (0:3) zum Auswärtsspiel in der Pfalz gereist waren.
Schon der Auftakt in die Partie hielt eine sensible Szene aus Sicht der roten Teufel bereit – Offensiv-Wirbelwind Daisuke Yokota, der auch wieder an diesem Spieltag einer, wenn nicht sogar der beste Akteur auf Seiten der Lautrer darstellen sollte, dribbelte sich in unnachahmlicher Art und Weise bereits in der 6. Spielminute durch den gegnerischen Strafraum. Dort wurde der quirlige Japaner vom bei den Magdeburgern in die Startelf gerutschten Falko Michel klar und deutlich am Trikot gezogen und zu Fall gebracht. Rechneten die gut 45.000 anwesenden Zuschauer im nahezu ausverkauften Stadion am Betzenberg mit einem mehr als legitimen Elfmeterpfiff, bliebt das Arbeitsgerät von Schiedsrichter Florian Badstübner hingegen stumm – auch ein VAR-Check der Szene fand im Nachgang zum Unverständnis aller Beteiligten nicht statt, die in dieser Situation ungerechtfertigterweise um die große Chance eines frühen Führungstreffers gebracht wurden.
Das in den letzten Wochen aus FCK-Sicht so oft positiv-bemühte "Momentum" kippte unmittelbar nach dieser Szene dann auf die Seite der Gäste. In der 11. Minute legte der FCM einen Eckball an die Strafraumgrenze zum dort lauernden Linksverteidiger Loric zurück, der ebenfalls für den verletzten Stammverteidiger El-Hankouri (Knieprobleme) in die Startelf von FCM-Chefcoach Christian Titz gerutscht war. Der 24-jährige Franzose nahm den Ball mit voller Überzeugung und seinem starken, linken Fuß volley und jagte das Spielgerät aus zentraler Position unhaltbar für FCK-Keeper Julian Krahl zur 1:0-Gästeführung unter den Querbalken. Ein Traumtor, leider nur auf der falschen Seite des Spielfelds - wie der FCM-Trainer auf der nachfolgenden Pressekonferenz ausführte, handelte es sich hierbei um eine einstudierte Variante, die erst in der vergangenen Trainingswoche von seiner Mannschaft eingeübt wurde.
Keine 120 Sekunden später lag der Ball dann sogar ein zweites Mal im Netz des FCK. Nach einem langen Befreiungsschlag aus der eigenen Abwehr heraus, war ausgerechnet Ex-FCK-Spieler Philipp Hercher (der noch vor Anpfiff der Partie mit einem persönlichen Trikot für seine fünf Jahre Dienst im Dress der roten Teufel offiziell vor einer applaudierenden Westkurve verabschiedet wurde) im Sprintduell gegen Boris Tomiak die entscheidenden Sekunden schneller – mit einem überlegten Rechtsschuss ließ der 28-jährige Flügelangreifer Krahl erneut keine Abwehrmöglichkeit und stellte die Partie bereits in der Anfangsphase mit seinem dritten Saisontreffer für seinen neuen Club bzw. dem Tor zur 2:0-Führung der Magdeburger förmlich auf den Kopf.
Der FCK zeigte sich von diesem Doppelschlag allerdings nur wenig beeindruckt und kam in der folgenden Spielphase immer wieder selbst zu guten Gelegenheiten. Die größte Möglichkeit bot sich FCK-Topstürmer Ragnar Ache – sein Kopfball nach 27. Minuten klatschte allerdings nur an die Latte – vorbereitet hatte die Szene Sturmpartner Daniel Hanslik mit einer Flanke von der linken Außenbahn. Drei Minuten später war es dann aber doch soweit: Hanslik steckte erneut für Yokota durch, der Michel im Zentrum enteilt war, aber im Strafraum einen leichten Kontakt vom Magdeburger Mittelfeldspieler abbekam.
Nach kurzer Überlegung zeigte Schiedsrichter Badstübner auf den Punkt, eine vertretbare Entscheidung, da sich Yokota im vollen Lauf befand und von Michel im Gefahrenbereich am Torabschluss gehindert wurde – dennoch schwebte über dieser Situation ziemlich offensichtlich der Begriff der Konzessionsentscheidung, da Badstübner den Lautrern den eindeutigeren Elfmeter rund zwanzig Minuten zuvor an Yokota, verwehrt hatte. Boris Tomiak übernahm die Verantwortung vom Punkt und verwandelte sicher zum 1:2-Anschlusstreffer für die roten Teufel (32').
Für den an diesem Tag unglücklichen Michel war die Partie dann sogar noch vor der Halbzeitpause beendet. Der Sommerneuzugang der Magdeburger ließ sich in der eigenen Spielhälfte erneut zu einem Schubser gegen den sprintenden Yokota hinreißen, der wie bereits in der Elfmeterszene im vollem Lauf erneut aus dem Tritt gebracht wurde und den Bodenkontakt nicht mehr verhindern konnte. Nach kurzer Bedenkzeit entschied sich der Referee für die Gelb-Rote Karte und die roten Teufel durften fortan mit einem Mann mehr das Spiel fortsetzten (36').
Nach dem Seitenwechsel bliesen die Pfälzer dann sprichwörtlich zu einem Sturmlauf auf den Ausgleichstreffer, hatten aber im Torabschluss noch nicht das richtige Quäntchen Fortune. Ragnar Ache mit einem Distanzschuss an das Lattenkreuz (46‘) oder Daniel Hanslik mit einem unplatzierten Kopfball ins Toraus (56‘) vergaben die besten Möglichkeiten auf Seiten der roten Teufel in der Spielphase direkt nach Wiederanpfiff.
In der 68. Minute erlöste Ragnar Ache die roten Teufel dann endlich – nach einer Ecke von Abwehrspieler Luca Sirch, stand der 26-jährige Top-Torjäger der Pfälzer am kurzen Pfosten der Magdeburger sträflich frei und nutze diesen Raum per Kopf zum 2:2-Ausgleichstreffer durch die berühmten Hostenträger von FCM-Kepper Dominik Reimann.
Den roten Teufeln verblieben nun noch mehr als zwanzig Minuten um den Sieg noch auf ihre Seite zu ziehen, aber trotz eines Spielverlaufs der spätestens jetzt nur noch eine Richtung kannte, konnten sich die Betzebuwe kein drittes Mal an diesem Tag belohnen. Die beste bzw. wildeste Szene auf eine mögliche 3:2-Führung vergaben mit Ragnar Ache, dem eingewechselten Jan Gyamerah und Daisuke Yokota gleich drei Betze-Akteure, rund fünf Minuten vor dem offiziellen Ende der neunzig Minuten. Zunächst traf Ache aus zentraler Position zum dritten Mal an diesem Tag das (rechte) Aluminium, Gyamerahs Nachschuss aus spitzen Winkel parierte Riemann und Yokota köpfte den noch einmal scharf-gemachten Ball aus zentraler Position auf Höhe der Fünfmeterlinie final rechts am Pfosten des Magdeburger-Gehäuses vorbei.
Das Magdeburger Tor war buchstäblich wie vernagelt, was sich auch in den letzten beiden Szenen des Spiels in der Nachspielzeit noch einmal beweisen sollte. Zunächst vergab der eingewechselte Aaron Opoku eine weitere, gute Gelegenheit - sein Freistoß aus rund zwanzig Metern wurde allerdings von der Mauer abgewehrt (92'). Im Anschluss schlug Kleinhansl einen letzten Ball in den Magdeburger-Strafraum, der vom ebenfalls eingewechselten Redondo am ersten Pfosten quergelegt wurde. In der Mitte verpasste der ebenfalls ins Spiel gebrachte Jannik Mause die letzte Gelegenheit für die roten Teufel um den mittlerweile hoch-verdienten Heimsieg am heimischen Betzenberg behalten zu können (94').
Negativ abgerundet wurde das Spiel durch einen weiteren Platzverweis aus Sicht der Gäste - Der bereits mit gelb-verwarnte Kaars ließ sich auf Höhe der Mittellinie zu einer Grätsche ohne Aussicht auf den Ball an Kenny Prince Redondo verleiten. Angesichts der rüden Attacke des Niederländers von hinten in die Beine von Redondo hätte man hier ggf. auch über einen glatt roten Karton nachdenken können, Schiedsrichter Badstübner beließ es allerdings bei der zweiten Verwarnung in Form einer gelben Karte, was folglich den zweiten Magdeburger-Platzverweis an diesem Tag zur Folge hatte.
Nach einer vor Ereignissen und Höhepunkten nur so strotzenden Partie trennten sich die roten Teufel und die Gäste aus Magdeburg mit einem 2:2, wobei insbesondere die Hausherren nach Abpfiff mit den hochkarätigen Torchancen haderten, die man während des Spielverlaufs ungenutzt auf der Strecke hatte liegenlassen. Der 1. FCM hingegen schätzte sich glücklich über den erzielten Punktgewinn, muss nun allerdings im kommenden Heimspiel gegen den SSV Ulm 1846 (Anstoß Sa, 09.11.24 - 13:00 Uhr) gleich zwei Akteure gelb-/rot-gesperrt ersetzen. Für den 1. FC Kaiserslautern geht es bereits am kommenden Freitagabend (Anstoß Fr, 08.11.24 - 18:30 Uhr) weiter, die roten Teufel reisen zum Auswärtsspiel zur Mannschaft von Cheftrainer Miroslav Klose zum Tabellensechsten vom 1. FC Nürnberg.