Vorbericht: [25. Spieltag] VFL Bochum – 1. FC Kaiserslautern (Sa., 07.03.26 – 20:30 Uhr)
2026 März 05/ By / 0 comment

Eine Woche nach dem Topspiel gegen Paderborn steht für den 1. FC Kaiserslautern die nächste anspruchsvolle Aufgabe an: Auswärts beim VfL Bochum. Im traditionsreichen Ruhrstadion „anne Castroper“ trifft am kommenden Samstag unter Flutlichtspielatmosphäre ein physisch robuster Gastgeber aus dem Ruhrpott auf eine FCK-Mannschaft, die die unglückliche 1:2 Heimniederlage gegen die Ostwestfalen vom vergangenen Wochenende wieder wettmachen will.

Erste Niederlage seit drei Monaten

Ähnlich wie die Lautrer gegen Paderborn gingen auch die Bochumer am vergangenen Wochenende leer aus: Der VfL musste sich im Auswärtsspiel bei Fortuna Düsseldorf mit 1:2 geschlagen geben.

Vor der Partie gegen die „Tuna“ hatte sich Bochum-Coach Uwe Rösler (57) – der in der Saison 1998/1999 selbst schon als Mittelstürmer für den 1. FCK auflief und in wettbewerbsübergreifenden 37 Spielen 13 Tore sowie zwei Vorlagen für die Pfälzer erzielte – mit seinem Team merklich stabilisiert und über mehrere Wochen hinweg konstant gepunktet.

Unter ihrem neuen Cheftrainer waren „Die Blauen“ seit der 1:2-Heimniederlage gegen Dynamo Dresden am 13. Spieltag Ende November exakt drei Monate lang ungeschlagen geblieben – bis zum vergangenen Freitagabend.

Eigentlich hätte die knappe Niederlage gegen die unter F95-Cheftrainer Markus Anfang (51) zuletzt wieder formstärkeren Düsseldorfer für den letztjährigen Bundesligaabsteiger aus dem Pott auch keinen allzu großen Rückschlag darstellen sollen. Ein Blick auf die Tabelle lässt diese Einschätzung jedoch rasch verblassen: Mit derzeit 29 Punkten beträgt der Vorsprung auf die bedrohlich nahe Abstiegszone lediglich vier Zähler für den VFL.

Dennoch kann der VfL seit der Übernahme durch den 57-jährigen Thüringer zum neunten Spieltag eine starke Bilanz vorweisen: In der „Rösler-Tabelle“ stehen bisher sechs Siege, acht Unentschieden und lediglich zwei Niederlagen bei einem Torverhältnis von 25:17 zu Buche. Mit durchschnittlich 1,61 Punkten pro Partie liegt der Bochumer-Cheftrainer damit sogar auf exakter Augenhöhe mit dem aktuellen Punkteschnitt von FCK-Coach Torsten Lieberknecht.

Bonus aufgebraucht: VfL muss gegen Kaiserslautern liefern

Mit dem Auftritt seiner Mannschaft in der Merkur Spiel-Arena am vergangenen Freitagabend zeigte sich der gebürtige Thüringer allerdings alles andere als zufrieden. Der sichtlich verärgerte Fußballlehrer, der während seiner erfolgreichen Zeit bei Manchester City (1994–1998) den Spitznamen „Der Panzer“ erhielt, sah sich nach der Partie sogar zu einer Entschuldigung bei den eigenen Fans genötigt. Er habe „seine Mannschaft beim Spiel in Düsseldorf nicht wiedererkannt“, erklärte er im Anschluss vor den anwesenden Medienvertretern. Weiter bezeichnete Rösler den Auftritt seiner Mannen als „mut-“ und „energielos“ – ein Urteil, zu dem auch der Großteil der gut 10.000 nach Düsseldorf mitgereisten VfL-Anhänger gekommen sein dürfte, so viele wie bei keinem Zweitliga-Auswärtsspiel der Bochumer in der laufenden Spielzeit zuvor.

Schrillende Alarmglocken in Richtung Kaiserslautern angesichts dieser Charakterfrage vor dem nächsten Topspiel? Auf die mentale Stärke und die kämpferische Einstellung war bei den Bochumern unter ihrem neuen Trainer im bisherigen Saisonverlauf eigentlich immer Verlass. Vor allem in den Heimspielen entwickeln die Jungs von der Castroper Straße regelmäßig eine ganz ähnliche Wucht – vergleichbar mit der Intensität, die der kommende Gast aus der Pfalz auf dem heimischen Betzenberg entfacht. Genau diese Energie wird am Samstagabend auch wieder im Ruhrstadion gefragt sein – mit einer aktuellen Ausbeute von neunzehn Punkten bei fünf Siegen, vier Unentschieden und drei Niederlagen (Torverhältnis 18:13) rangiert der VFL allerdings nur auf Platz Neun der Heimtabelle, im Gegensatz zu den noch heimstärkeren Lautrern (Platz 3).

Nichtsdestotrotz müssen sich die Roten Teufel am kommenden Samstagabend auf eine Reaktion von Röslers Mannschaft gefasst machen, die der VFL-Coach schon unmittelbar nach dem Schlusspfiff in Düsseldorf offensiv von seinem Team einforderte. Damit diese auch gelingt, hatte Rösler bereits für den zurückliegenden Samstag eine längere Videositzung angesetzt, in der sich die Spieler erklären sollten. „Der Bonus ist jetzt aufgebraucht, die Karten werden neu gemischt„, machte er dabei deutlich. Bis auf den verlässlichen Stammkeeper Timo Horn (32) und Vize-Kapitän Maximilian Wittek (30), der nach abgesessener Gelbsperre wohl für den in Düsseldorf überforderten Mikkel Rakneberg (24) auf der linken Abwehrseite in die Startelf zurückkehren dürfte, scheint für das wegweisende Heimspiel gegen Kaiserslautern am kommenden Samstag kein Platz in der Startelf des erfahrenen Cheftrainers fest vergeben zu sein.

Taktische Ausgangslage / Statistikecke

Der VfL agiert meist in einem 4-2-3-1 oder 4-3-3 mit klarer Struktur.

Typische Merkmale:

  • Kompakte Viererkette mit enger Staffelung im Zentrum
  • Doppelsechs zur Absicherung und für schnelle Ballgewinne
  • Direktes Umschaltspiel über die Flügel
  • Hohe Intensität im Gegenpressing

Bochum versucht häufig, den Gegner früh unter Druck zu setzen und zweite Bälle konsequent zu nutzen, ähnlich wie es auch die bevorzugte Spielweise von FCK-Coach Lieberknecht ist. Gerade zuhause wird das Spiel physisch und mit einer hohen Itensität geführt – ein Faktor, auf den sich die Männer in Rot am kommenden Samstagabend einzustellen haben.

Mit bisher 334 abgegebenen Torschüssen (Platz 6), bereits fünf zugesprochenen Elfmetern (Platz 5) und drei davon verwandelten Strafstößen (Platz 7) sowie starken Kopfbällen (504 – Platz 6), Flanken (250 – Platz 7) und Sprints (3779 – Platz 7) stellt der VfL Bochum in der Offensive durchaus seine Präsenz und Durchschlagskraft unter Beweis.

Defensiv und im Spielaufbau hinkt das Team analog zu den Pfälzern jedoch auch etwas verstärkter hinterher: Ballbesitz (45 % – Platz 18), Passquote (80,7 % – Platz 14) und Laufdistanz (2812 – Platz 13) sind eher durchschnittlich.

Statistisch unterscheiden sich diese Werte nur geringfügig von denen des 1. FC Kaiserslautern, was zusätzlich verdeutlicht, dass am kommenden Samstag zwei Teams mit ähnlichen Spielanlagen und vergleichbarer fußballerischer Grundphilosophie aufeinandertreffen.

Schlüsselspieler

Timo Horn (32, TW) – erfahrener Rückhalt im Bochumer Tor und ein sicherer Faktor bei Paraden und entscheidenden Aktionen. Seine Präsenz gibt der Abwehr Stabilität, besonders in engen Spielen.

Gerrit Holtmann (30, LA) – gehört zu den kreativen und dynamischen Offensivspielern beim VFL, der durch Dribblings, Tempo und Dynamik regelmäßig für Torgefahr sorgt. Mit einer Grundgeschwindigkeit von über 36 km/h gehört der erfahrene Flügelflitzer auch im fortgeschrittenen Fußballeralter nach wie vor zu den schnellsten Spielern im Unterhaus. Holtmanns Bilanz in der aktuellen Saison: vier Tore, drei Torvorlagen.

Francis Onyeka (18, OM) – Als 18‑jähriges Talent auf Leihbasis von Bayer 04 Leverkusen hat Onyeka in der 2. Bundesliga schon für Furore gesorgt: Er spielt vielseitig im Mittelfeld, ist torgefährlich und bringt frischen Schwung ins Team mit gutem Drang nach vorne. Aktuell steht der Deutsch-Nigerianer bei acht Saisontoren und einer Torvorlage, was ihn zum angriffslustigsten Spieler in den Reihen des VFL macht.

Phillip Hofmann (32, MS) – Der ehemalige Betze-Spieler (2014/2015) ist einer der wichtigsten Offensivspieler im Team von Uwe Rösler, setzt durch seine körperliche Präsenz und Torgefahr Akzente vorne und war in dieser Saison an wichtigen Treffern beteiligt. Hinter Onyeka mit fünf Toren und sechs Vorlagen zweitverlässlichster Angreifer an der Castropper Straße.

Personalsituation

Augenblicklich muss Chefcoach Rösler auf Mittelstürmer Ibrahim Sissoko (30) verzichten, der sich nach einer langwierigen Sprunggelenksverletzung allerdings bereits wieder im Rehatraining befindet. Beim zurückliegenden Spiel in Düsseldorf reichte es noch nicht für eine Kadernominierung, sein Einsatz gegen den 1. FC K dürfte sich in der laufenden Trainingswoche entscheiden. Ebenfalls fehlt dem VFL aktuell Mittelfeldspieler Moritz Göttlicher (17) mit einer Beckenverletzung auf unbestimmte Zeit.

Mannschaftskapitän Matúš Bero (30) ist nach überstandenen Knöchel- und Sprunggelenksproblemen die ihn schon seit dem vergangenen Dezember ausbremsten, mittlerweile wieder einsatzbereit. Mit seinem Einsatz am kommenden Samstagabend ist daher mit hoher Wahrscheinlichkeit zu rechnen. Er könnte für Youngster Mats Pannewig (21) auf die zentrale Sechser-/Achterposition neben Cajetan Lenz (19) ins Mittelfeld rücken.

Wie am gestrigen Dienstag bekanntgegeben wurde, droht Gerrit Holtmann womöglich ein Ausfall im Topspiel gegen den Traditionsverein aus der Pfalz. Bereits in Düsseldorf in der Halbzeitpause angeschlagen ausgewechselt, fehlte Holtmann auch beim gestrigen Trainingsauftakt, trainierte nur individuell. Rösler: „Ich hatte ein Gespräch mit Gerrit und der medizinischen Abteilung. Wir haben diskutiert, was wir machen, um eine gute Lösung zu finden. Im Moment ist er nicht auf dem Platz. Das wird keine zwei Monate dauern, aber schon ein paar Tage.“ Denkbar, dass er am Samstag ersetzt werden muss. Entweder durch Moritz-Broni Kwarteng (27) oder den Torschützen zum 1:2-Anschlusstreffer gegen Düsseldorf, Farid Alfa-Ruprecht (19).

Lautrer Frühjahrsblues – Redondo trifft spät, Gibs debütiert in der Startelf

Die positiven Erkentnissgewinne aus dem zurückliegenden Heimspiel gegen Paderborn sind aus Sicht des FCK schnell auserzählt.

Am ermutigendsten dürfte aus Sicht der Hausherren gewesen sein, dass sich die Mannschaft trotz eines Zwei-Tore-Rückstands, eines Platzverweises gegen ihren Cheftrainer und mehrerer aus ihrer Sicht grober Schiedsrichterfehlentscheidungen über die gesamte Spielzeit hinweg nicht aufgab. Selbst als ein Strafstoß in der 90.+5. Minute scheinbar den entscheidenden Treffer für die Gäste aus Ostwestfalen brachte, kämpften die Roten Teufel weiter und erzielten durch den eingewechselten Kenny Prince Redondo in der 90.+8. Minute zumindest noch den Ehrentreffer zum 1:2-Endstand.

Auch personell gab es Positives zu vermelden: Nachwuchsprofi Owen Gibs (19) feierte sein Debüt in der Startelf der Profimannschaft bei den Betzebuwe und rückte etwas überraschend für den gelbgesperrten Mannschaftskapitän Marlon Ritter (31) neben Naatan Skyttä (23) auf die zweite Spielmacherposition im offensiven Mittelfeld bei den Roten Teufeln.

Das 19-jährige Eigengewächs aus der Pfalz zeigte dabei die typische Nervosität, wie sie bei einem Debüt oder einer ungewohnten Startelfrolle zu erwarten ist. Körperlich noch etwas zart, wird Gibs in den kommenden Spielen an Robustheit und Durchsetzungsvermögen zulegen müssen. Dennoch deutete der torgefährliche Spielmacher der Lautrer-U21 aus der Oberliga RLP/Saar (6 Tore / 5 Vorlagen) phasenweise vielversprechende Ansätze an und rechtfertigte damit das Vertrauen seines Trainerteams. Zur Halbzeit wurde er jedoch – wohl auch aufgrund des 0:1-Rückstands nach den ersten 45 Minuten – zugunsten des erfahreneren Mahir Emreli (28) ausgewechselt.

Zwei weitere umstrittene Personalentscheidungen betrafen die Abwehrreihe: Innenverteidiger Atanas Chernev (23) wurde erneut in die Startelf berufen, obwohl er im letzten Heimspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth am 22. Spieltag nach ca. einer halben Stunde stark gelbrot-gefährdet und völlig indisponiert bzw. verunsichert ausgewechselt werden musste. Viele Fans hatten auf die Rückkehr von Leon Robinson (24) auf der linken Innenverteidiger-Position gehofft. Außerdem rückte Florian Kleinhansl (25) als linker Schienenspieler in die Startelf, was auf den kurzfristigen krankheitsbedingten Ausfall von Mika Haas (20) zurückzuführen war.

Die eigentliche Geschichte(n) des Spiels drehten sich aber weniger um das fußballerische Geschehen auf dem Rasen oder wichtige Personalentscheidungen, sondern einmal mehr um den Frust über Schiedsrichterentscheidungen und den Einsatz des Videobeweises – Leider.

Eskalation und VAR-Entscheidungen am Betzenberg – „Ich bin müde, Boss…“

Bereits in der sechsten Minute sorgte der für das Spiel eingeteilte Schiedsrichter Florian Exner (35) für erstes Aufsehen. Nach einem Zweikampf zwischen Norman Bassette (21) und Felix Götze (28) im Gäste-Strafraum entschied sich der Unparteiische dazu, nicht zu Gunsten der Hausherren auf den Elfmeterpunkt zu zeigen. Ein sog. „Kann-Elfmeter“, der in der Wiederholung allerdings eher zu Gunsten des Lautrer-Angreifers hätte ausgelegt werden dürfen. Im Duell „arbeitete“ Bassette im regulären Rahmen mit den Händen, Götze geriet dadurch ins Straucheln und sank zu Boden, während er selbst das Standbein des jungen Belgiers im Fallen mitriss und den Mittelstürmer der Roten Teufel ebenfalls zu Fall brachte – für den neutralen Beobachter möglicherweise ein etwas zu einfacher Fall des ehemaligen Abwehrchefs der Pfälzer – für Exner allerdings offenbar eine ganz eindeutige Angelegenheit: Freistoß Paderborn.

Zum Ende der ersten Halbzeit eskalierte die Stimmung nach einem umstrittenen Freistoßpfiff am Rande des Lautrer Strafraums vollständig, der kurz darauf auch zum 0:1 durch SCP-Abwehrmann Calvin Brackelmann (45+7.) führte und wenige Zeigerumdrehungen sogar dafür verantwortlich war, dass sich FCK-Chefcoach Torsten Lieberknecht einen Platzverweis abholte.

Beim unmittelbar darauffolgenden Halbzeitpfiff wurde der FCK-Coach zunächst für seinen energischen Gang in Richtung Mittelkreis auf das Unparteiischen-Gespann mit einer gelben Karte verwarnt, nachdem er lautstark gegen das geahndete „Foulspiel“ von Atanas Chernev am Strafraumrand protestiert hatte, das seiner Ansicht nach eher ein Foul des Paderborner Angreifers gewesen sei. Nur wenige Momente später, sah der aufgeladene Trainer vom Betzenberg sogar Gelb-Rot, nachdem er erneut lautstark die Entscheidungen des Schiedsrichters in Frage stellte und in der aufgeheizten Situation offenbar ein Wort das andere ergab. Lieberknecht musste die zweiten fünfundvierzig Minuten fortan von der Tribüne des Fritz-Walter-Stadions verfolgen. Die nicht weniger erzürnten FCK-Fans reagierten mit ohrenbetäubendem Pfeifkonzert und wilden Gesten in Richtung des Unparteiischen.

Auch wenn der Großteil der zweiten Halbzeit ohne große Höhepunkte verlief (die beste Torchance vergab FCK-Rechtsverteidiger Paul Joly unmittelbar nach dem Wiederanpfiff nach schöner Kopfball-Vorarbeit von Bassette 48. freistehend am zweiten Pfosten) sorgte der Schiedsrichter kurz vor dem Ende für den dritten großen Aufreger des Tages. Nach eingehender Überprüfung am VAR-Monitor ließ er einen Strafstoß für die Gäste trotz eines doppelten Handspiels des eingewechselten Kennedy Okpala (21) bestehen. Bei einer der letzten Strafraumaktionen der Gäste sprang dem Winterneuzugang vom Mannheimer-Waldhof der Ball nach einer hohen Flanke gleich zweimal nacheinander an den Unterarm – eigentlich ein klarer Fall für einen Freistoß zugunsten der Hausherren aufgrund eines strafbaren Handspiels.

Da der Pfiff des Schiedsrichters zunächst allerdings ausblieb und die Szene ohne Unterbrechung weiterlief, stocherte Fabian Kunze (27) im Strafraum von hinten etwas plump nach und touchierte dabei Okpala am linken Schienbein, woraufhin der wiederum gedankenschnell zu Fall ging. Erst jetzt griff Exner ein und unterbrach die Partie. Nach vierminütiger Sichtung der VAR-Bilder entschied er auf ein strafbares Foulspiel von Kunze und damit auch auf den fälligen Elfmeter aus Sicht der Gäste.

Beide Fanlager reagierten daraufhin mit einem kuriosen u. gemeinsamen „Scheiß  DFB“-Wechselgesang von FCK- und SCP-Anhängern, gefolgt von lauten „Schieber, Schieber„-Rufen aus der Lautrer-Westkurve – mit dem Strafstoß selbst hatten die ca. 700-800 Auswärtsfahrer aus Paderborn jedoch verständlicherweise keine Probleme. Den fälligen Elfmeter verwandelte der eingewechselte Filip Bilbija (25) souverän zum 0:2 unter die Latte (90.+5), bevor Redondo (31) wie bereits erwähnt, nach einem letzten Konter wenigstens noch den Anschlusstreffer zum 1:2 für seine Mannschaft vorbehalten war. (90.+8).

Analyse: Schwache Eigenleistung trotz Schiedsrichterkontroversen

Aber auch wenn die Pfälzer an diesem Samstag vom Schiedsrichter so stark benachteiligt wurden wie lange nicht und unmittelbar nach dem Ende der Partie verständlicherweise Gift & Galle spuckten – in der nachfolgenden Spielbewertung erhielt Exner vom Kicker die Schulnote 6 – gehörte zur Wahrheit ebenfalls, dass die Lautrer im Spiel gegen den SCP selbst zu wenig investierten, um die drei Punkte oder zumindest einen Zähler auf dem heimischen Betzenberg zu behalten. Aus insgesamt zehn Torschüssen der Pfälzer resultierte lediglich ein Wert von 0,39 xG, während die Gäste aus Ostwestfalen theoretisch sogar noch einen Treffer mehr hätten erzielen können, wenn nicht sogar müssen (2,81 xG).

Die Schuld für die Niederlage allein beim Schiedsrichter und seiner schwachen Leistung zu suchen, wird der überschaubaren eigenen Performance deshalb nicht gerecht.

Ohne den langzeitverletzten Stoßstürmer Ivan Prtajin (29) zeigt das FCK-Spiel nach wie vor einen zu eindimensionalen, vertikalen Kick-&-Rush-Stil, der vielen Zweitligisten und besonders den Spitzenteams der Liga offenbar mittlerweile nur noch geringe Probleme bereitet. Gegen die ersten fünf Mannschaften der Tabelle, die scheinbar das Aufstiegsrennen unter sich ausmachen werden, konnten die Roten Teufel im bisherigen Rückrundenverlauf nur vier von möglichen fünfzehn Punkten holen – zu wenig für die hinter vorgehaltener Hand formulierten Aufstiegsambitionen der Pfälzer.

Die Frage nach dem fußballerischen Status quo dürfte sich am Betzenberg zum kalendarischen Frühlingsbeginn deshalb erneut stellen. Mit dem aktuellen sechsten Tabellenplatz rangieren die Betzebuwe zwar genau auf dem Rang, der vor der Saison als ausgegebenes Ziel formuliert worden war. Dennoch dürfte sich die sportliche Leitung fragen, was wohl möglich gewesen wäre, wenn entscheidende Schlüsselspieler nicht längerfristig verletzt gewesen wären – oder wenn man im Laufe der fast zwölf Monate Amtszeit unter Lieberknecht ein flexibleres System auf dem Betzenberg implementiert hätte, das besser auf unterschiedliche Spielsituationen reagiert. Wie ein solches hätte aussehen können, machten die Gäste aus Paderborn den Pfälzern am vergangenen Samstagnachmittag eindeutig vor.

Fest steht, dass der 1. FCK nach 24 Spieltagen auf der Stelle tritt und sich am vergangenen Samstag höchstwahrscheinlich von allen Aufstiegsträumen verabschiedet haben dürfte, die allerdings schon vor dem Anpfiff der Partie gegen die Gäste aus Paderborn auf eher wackeligen, pfälzischen Beinen standen. Auch wenn Lieberknecht als gebürtiger Vollblutpfälzer sicherlich nicht tolerieren wird, dass sein Team die Saison im aktuellen Niemandsland der Tabelle austrudeln lässt, könnte man perspektivisch schon jetzt die Frage stellen, welche sportlichen Ziele sich die Mannschaft bei der gegenwärtigen Situation zehn Spieltage vor Schluss mit aktuell neun Punkten Rückstand auf den ersten direkten Aufstiegsrang überhaupt noch setzen kann. Sicherlich, eine Verbesserung der tabellarischen Position wäre allein aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll, etwa um eine bessere Platzierung in der TV-Geld-Tabelle zu erreichen. Ob sich damit jedoch tatsächlich ein Tross von 30 Profispielern mittel-/langfristig motivieren lässt, darf zumindest angezweifelt werden.

Eventuell sollten sich die Verantwortlichen jedoch intensiver damit auseinandersetzen, wie sie künftig in der Öffentlichkeit weniger dünnhäutig auf Unwägbarkeiten wie Schiedsrichterpech oder Verletzungsmiseren reagieren – Faktoren, die wahrlich nicht die Roten Teufel exklusiv betreffen. Aussagen wie jene von Sportdirektor Marcel Klos (37), der seiner Mannschaft nach der Partie gegen Paderborn ein „Top-Spiel“ attestierte, oder von Geschäftsführer Thomas Hengen (51), der im anschließenden Sky-Interview betonte, dass an den verbleibenden zehn Spieltagen „nach wie vor 30 Punkte zu vergeben sind“, wirken angesichts der wankelmütigen Auftritte des FCK äußerst schmeichelhaft. Sie spiegeln die fußballerische Realität, die die Roten Teufel am vergangenen Samstag – nicht zum ersten Mal unter ihrem aktuellen Chefcoach – auf dem Rasen zeigten, nur bedingt wider. Mit solchen Durchhalteparolen dürfte man jedenfalls nicht mehr alle Fans am Betze erreichen.

Ausgerechnet jetzt steht am kommenden Samstagabend ein schweres Auswärtsspiel gegen die ebenfalls leicht angeknockten Bochumer an, die unter Coach Rösler normalerweise mit ganz ähnlichen Attributen wie die Roten Teufel aufwarten: hohe Intensität, viel Physis und ein direkter, zielstrebiger Spielstil. Für den 1. FCK wird es entscheidend sein, defensiv stabil zu stehen und die wenigen Chancen im Umschaltspiel konsequent zu nutzen, um aus dem Ruhrpott etwas Zählbares mitzunehmen.

Personalsituation

Aus personeller Hinsicht kann FCK-Coach Lieberknecht beim Spiel an der Castropper Straße wieder auf seinen Mannschaftskapitän Marlon Ritter (31) zurückgreifen, der seine Gelbsperre aus dem vergangenen Auswärtsspiel beim SC Preußen Münster vom 23. Spieltag abgesessen hat. Auch Innenverteidiger Maxwell Gyamfi (26) wurde am gestrigen Dienstag nach überstandenen Muskelfaserriss erstmals wieder zusammen mit seinen Mannschaftskollegen auf dem Trainingsplatz am Betzenberg gesichtet. Er dürfte ebenfalls wieder eine realistische Option für den Spieltagskader gegen den VFL darstellen und die Optionen in der Innenverteidigung der Pfälzer erhöhen.

Ob der zuletzt angeschlagene Jacob Rasmussen (28, leichte Gehirnerschütterung) beim Top-Spiel „anne Castropper“ ebenfalls wieder zur Verfügung steht, ist augenblicklich hingegen noch offen. Mahir Emreli, der gegen Paderborn rund eine Halbzeit zum Einsatz kam, sowie Sturmpartner Mërgim Berisha, der etwa 15 bis 20 Minuten Spielzeit gegen den SCP erhielt, erweitern derweil die offensiven Optionen der Roten Teufel.

FCK-Trainer Lieberknecht muss durch seinen Platzverweis im Heimspiel gegen Paderborn das Spiel von der Tribüne des Ruhrstadions verfolgen – für ihn werden seine Co-Trainer Carsten Rump (44) und Niklas Martin (37) an der Seitenline der Betzebuwe Platz nehmen.

Bilanz gegen den VFL Bochum

Das Ruhrstadion in Bochum zählt für die Roten Teufel keineswegs zu den unangenehmen Spielstätten. Am kommenden Samstagabend stehen sich die beiden Traditionsvereine aus Bochum und Kaiserslautern bereits zum 38. Mal an der Castropper Straße gegenüber. Die Bilanz spricht leicht für die Gastgeber: 14 Siege verbuchte der VfL, 12 Erfolge gingen an die Pfälzer, hinzu kommen 11 Unentschieden bei einem Torverhältnis von 56:42.

Da die Bochumer viele Jahre in der Bundesliga aktiv waren, während es für die Roten Teufel zwischenzeitlich sogar bis in die 3. Liga hinunterging und sich die sportlichen Wege beider Klubs dadurch häufig trennten, liegt das bislang letzte direkte Duell schon einige Zeit zurück: Im April 2018 trafen beide Teams am 30. Spieltag der 2. Bundesliga letztmals aufeinander.

Damals setzte sich der VfL mit einem knappen 3:2-Heimsieg durch. Halil Altintop brachte die Lautrer früh in Führung (7.), doch Lukas Hinterseer (18.) und ein Eigentor von Osayamen Osawe (27.) drehten die Partie noch vor der Pause zu einem 2:1 für die Hausherren. Kurz nach Wiederanpfiff glich der damalige FCK-Kapitän Stipe Vučur zum 2:2 aus (48.), ehe mit Kevin Stöger ein weiterer Ex-Lautrer in der 81. Minute den entscheidenden Treffer zum 3:2 für den VfL erzielte.

Am Ende jener Saison musste der FCK mit lediglich 35 Punkten als Tabellenletzter erstmals den enttäuschenden Gang in die 3. Liga antreten, während die Bochumer die damalige Spielzeit mit 48 Zählern als Tabellensechster beendeten. Mit aktuell 37 Zählern auf Rang sechs dürften sich die Vorzeichen aus Sicht der Pfälzer am kommenden Samstagabend jedoch dieses Mal etwas entspanner gestalten – auch wenn im Ruhrstadion aus Sicht der Roten Teufel heute wie damals nicht weniger gilt: Verlieren verboten!

So könnten sie spielen:

VFL Bochum: Horn – Loosli, Strompf, Morgalla (Olsen), Wittek, – Lenz, Bero (C) (Pannewig), Onyeka (Marshall), Holtmann (Kwarteng, Alfa-Ruprecht), Miyoshi, – Hofmann

1. FC Kaiserslautern: Krahl – Sirch, Kim (Gyamfi), Robinson (Rasmussen, Chernev), – Kunze, Sahin, Haas (Kleinhansl), Joly, Ritter (C), Skyttä, – Bassette (Emreli, Berisha)

Sperren / Ausfälle:

VFL Bochum: Moritz Göttlicher (ZM – Beckenverletzung), Ibrahim Sissoko (MS – Trainingsrückstand nach Sprunggelenksverletzung, Einsatz kurzfristig möglich), Gerrit Holtmann (LA – Wadenprobleme, Einsatz fraglich)

1. FC Kaiserslautern: Ivan Prtajin (MS – Achillessehnenriss), Jacob Rasmussen (IV – leichte Gehirnerschütterung, Einsatz fraglich)